Bezirksgericht Schild Scheibbs
ORF.at/Roland Winkler
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Politik

Scheidung: Reformpläne spalten Juristen

Die türkis-grüne Bundesregierung will das Eherecht reformieren. Das Verschuldensprinzip bei Scheidungen soll abgeschafft werden. Steirische Juristen sind unterschiedlicher Meinung.

Geht es nach der türkis-grünen Bundesregierung, soll der Unterhalt bei einer Scheidung nicht davon abhängen, wer schuld am Scheitern der Ehe ist. Befürworter sprechen von einer finanziellen und psychischen Entlastung für beide Partner. Gegner kritisieren, dass die Änderung den Streit um Kinder forcieren würde.

„Frauen verzichten wegen seelischen Drucks auf Unterhalt“

In der Steiermark gehen vier von zehn Ehen in die Brüche. Wer am Scheitern der Beziehung schuld ist, spielt derzeit eine wesentliche Rolle, denn nur wer schuldlos geschieden wird, hat Anrecht auf den vollen Unterhalt. Das nachzuweisen sei äußerst schwierig, sagt Barbara Scherer, Juristin beim Frauenservice Graz. „Die Verknüpfung des Verschuldensprinzips mit dem nachehelichen Unterhaltsanspruch ist insbesondere für Frauen sehr problematisch und mit einem enormen finanziellen und seelischen Druck verbunden. Das führt in weiterer Folge dazu, dass viele Frauen bereits in der einvernehmlichen Scheidung auf Unterhalt verzichten, um sich diesem Druck nicht aussetzen zu müssen.“

Anwalt kontert: „Die Mehrheit sei einvernehmlich“

Diesem Argument kann Rechtsanwalt Günter Lippitsch nichts abgewinnen. Mit Standorten in Graz und Wien zählt sein Anwaltsbüro zu den größten Scheidungskanzleien Österreichs. Für ihn seien 88,5 Prozent einvernehmliche Scheidungen in der Steiermark ein recht gutes Zeichen. Es verbleiben 11,5 Prozent Verschuldensscheidungen und dabei gebe es noch eine große Zahl an Heimtrennungsscheidungen, nach drei oder sechs Jahren. Er glaube daher nicht, dass dieses Verschuldensproblem in Österreich derart vakant sei.

Verschuldensfrage führe oft zum Rosenkrieg

Barbara Scherer hält dem entgegen, dass das Verschuldensprinzip oft zum Rosenkrieg oder einer Schlammschlacht führe. Dabei müssten alle Unappetitlichkeiten einer Ehe vor fremden Menschen aufgetischt werden, was meistens beide Seiten nicht befürworten würden.

Günter Lippitsch ist allerdings gegen die Abschaffung. Scheidungen würden noch mehr auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden, meint er. Man könnte sich den Streit um den Unterhalt zwar ersparen. Allerdings gebe es bei der Scheidung weitere Aspekte, etwa jenen der Kinder, der auch immer wieder dazu verwendet würde, bessere Ergebnisse bei einvernehmlichen Scheidungen zu erzielen.