Demonstration
Christian Bock – www.christian-bock.net/
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Chronik

Klimaaktivisten blockieren Magna-Werk

Mit zwei laut Polizei nicht angemeldeten Demonstrationen haben am Freitag Klimaaktivisten das Grazer Magna-Werk blockiert. Ihre Forderung: „eine tiefgreifende Verkehrswende und einen gerechten Umbau der Automobilindustrie“.

Ab 9.00 Uhr hatten die Aktivisten auf der Liebenauer Hauptstraße die Einfahrt des Autozulieferers blockiert; neben der Werkszufahrt auf der Liebenauer Hauptstraße sperrten sie auch die Autobahnabfahrt ab.

„Autos müssen raus“

Die mit Autoteilen beladenen Lkws wurden am Ein- und Ausfahren behindert: „Autos müssen raus aus der Stadt und dürfen gar nicht erst aus der Fabrik rollen!“, so Klara Radinger vom Projekt „System Change, not Climate Change!“, die die beiden laut Polizei nicht angemeldeten Demonstrationen organisiert hat.

Die Aktion „Block Magna“ richte sich „ausdrücklich nicht gegen die in der Magna beschäftigten Arbeitnehmer“, hieß es – ihr Know-how werde gebraucht, um „angesichts der Klimakrise sinnvolle Produkte herzustellen, wie Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr, Fahrräder und erneuerbare Energietechnologien“ – indes richten sich die Aktivisten gegen den weiteren Bau von Autos; die Industrie müsse ihre Produktion umstellen.

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Manche Demonstranten ließen sich an mitgebrachte Metallgestänge ketten

Symbolisch ketteten sich die Demonstranten an Laternen und selbst mitgebrachte Metallgestelle. Die Cobra musste mit einem Spezialauto anrücken, um sie von den Gestellen zu holen.

Verkehrsbehinderungen gemeldet

Die Stimmung war laut Polizei ruhig und einigermaßen geordnet – Festnahmen gab es soweit bekannt keine. Wie die Polizei auf Twitter informierte, waren jedoch viele der Demonstranten auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht bereit, das blockierte Gebiet zu verlassen.

Der ÖAMTC meldete Verkehrsbehinderungen zwischen der Straßenkreuzung Liebenauer Gürtel und Karl-Huber-Gasse in beiden Richtungen. Eine örtliche Umleitung wurde eingerichtet, Fahrzeuglenker wurden gebeten, nicht über Liebenau von der A9 über die Kärntnerstraße von der Autobahn abzufahren.

Wirtschaftsbund sieht Arbeitsplätze gefährdet

„In Zeiten, in denen die Automobilbranche schwächelt, ist es unverantwortlich, Werksgelände und Verkehrswege zu blockieren und zum Produktionsstopp von Autos aufzufordern! Das bringt Arbeitsplätze, die Existenz vieler unserer Klein- und Mittelbetriebe und damit den gesamten Wirtschaftsstandort in Gefahr“, hieß es von Jochen Pack, dem Direktor des Wirtschaftsbunds Steiermark.

Magna beschäftige in Graz rund 9.000 Mitarbeiter und sei ein wichtiger Partner für zahlreiche regionale Automobilzulieferbetriebe, an denen wiederum tausende Jobs hängen: „Unternehmen, die in der Forschung und Entwicklung von Elektromobilität internationale Vorreiter sind, zu bekämpfen, ist der falsche Weg, um die Klimapolitik voranzutreiben. Die Aktivisten müssen endlich erkennen, dass die Wirtschaft nicht das Problem, sondern die Lösung im Klimaschutz ist“, so Pack abschließend.

FPÖ sieht „Anschlag auf Wirtschaft und Arbeitnehmer“

Über eine Aussendung ließ der Nationalratsabgeordnete und FPÖ-Umweltsprecher Walter Rauch Kritik an der Aktion ausrichten – sie löse keine Probleme, sondern schaffe diese vielmehr: „Erst kürzlich hatte Magna angekündigt, dass man bei weiteren Belastungen den Standort in das slowenische Marburg verlegen werde. Tausende Jobs sind dann in der Steiermark ernsthaft in Gefahr. Wenn das das Ziel der Aktivisten ist, so hinterfrage ich schon die Intelligenz aller Beteiligten.“

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Mit Transparenten wie „Verkehrswende statt Weltende“ fordern die Demonstranten ein Umdenken der Industrie

Klima- und Umweltschutz würde nur im Einklang mit den Menschen und der Wirtschaft funktionieren: „Eigentlich eine ‚Milchmädchenrechnung‘, die aber scheinbar noch nicht in den Reihen der Klimaaktivisten angekommen ist“, so Rauch.

Die Freiheitlichen wollen die freitägliche Aktion im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage an das Innenministerium thematisieren und unter anderem die Kosten des Polizeieinsatzes in Erfahrung bringen: „Die steirische Landesregierung muss die Aktionen dieser radikalen Gruppen im Rahmen der ersten Sitzung des ‚Klimakabinetts‘ verurteilen, immerhin geht es um die Arbeitsplätze der steirischen Bevölkerung“, forderte FPÖ-Landesparteiobmann Mario Kunasek.