Schwangere Frau mit Mann
Pixabay
Pixabay
Coronavirus

AK: Schwangere zu Kündigungen gedrängt

Viele steirische Betriebe würden derzeit nahezu panisch reagieren, indem sie reihenweise Mitarbeiter in die einvernehmliche Kündigung treiben, so die steirische Arbeiterkammer – sie warnt vor allem schwangere Frauen vor einer Unterschrift.

Von Kündigung betroffen seien vor allem Frauen, die im Dienstleistungssektor beschäftigt sind, von Friseurinnen über Mitarbeiterinnen in der Gastronomie bis hin zu Zahnarztassistentinnen, sagt Bernadette Pöchheim von der steirischen Arbeiterkammer.

„Besonders aufpassen“

„Wir sind mit unzähligen Arbeitnehmerinnen konfrontiert, die zu einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses gedrängt werden. Besonders bei schwangeren Dienstnehmerinnen muss man da besonders aufpassen: Wenn man das Dienstverhältnis als Schwangere einvernehmlich auflöst, gibt es sehr große Nachteile hinsichtlich des einkommensabhängigen Kindergeldes, aber auch beim Wochengeld“, so Pöchheim.

Wer eine einvernehmliche Kündigung unterschreibt, verliert den Anspruch auf das einkommensabhängige Kindergeld, warnt die AK-Expertin – je nach Einkommen würden Frauen dadurch bis zu 8.000 Euro verlieren. Außerdem können Schwangere nicht so einfach gekündigt werden, sagt Pöchheim: „Das ist ganz wichtig zu wissen: Schwangere Arbeitnehmerinnen dürfen nur mit Zustimmung des Gerichtes gekündigt werden – da gibt es auch keine Ausnahmen während der Corona-Krisenzeit.“

Kündigungsschutz nach Karenz

Wurde bereits eine einvernehmliche Kündigung unterschrieben, kann die Arbeiterkammer nicht mehr helfen. Lehnt eine Arbeitnehmerin das Angebot zur einvernehmlichen Kündigung ab, müsse sie aber nicht fürchten, sofort nach der Karenz gekündigt zu werden, erklärt die AK-Expertin, denn bei Inanspruchnahme einer Elternteilzeit bestehe Kündigungsschutz bis zum siebten Geburtstag des Kindes, „allerdings nur, wenn eben eine Elternteilzeit angemeldet wird, aber grundsätzlich besteht auch nach der Karenz ein Kündigungsschutz von vier Wochen nach Rückkehr aus der Karenz.“

Appell an Unternehmen

Die Arbeitsrechtsexpertin rät Schwangeren und auch allen anderen Dienstnehmern, die von Kündigung bedroht sind, zunächst die AK Corona-Hotline unter 0800 22 12 00 80 anzurufen. Auch Anfragen über E-Mail würde die Arbeiterkammer derzeit binnen zwei Stunden beantworten, hieß es. In Richtung der steirischen Unternehmen appelliert Pöchheim, sich zuerst über andere Möglichkeiten – wie etwa Kurzarbeit – zu informieren, bevor Mitarbeiter gekündigt werden – mehr dazu in Die neuen Regeln für Kurzarbeit (news.ORF.at).