Kunde zieht Schuhe an
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Coronavirus

Schuhhandel bleibt auf Ware sitzen

Der heimische Schuhhandel befürchtet eine enorme Pleitewelle. Die Umsätze durch die Coronavirus-Krise sind in den Keller gerasselt. Große Teile der gekauften Frühjahrsware liegen unverkäuflich in den Lagern.

Das Grazer Traditionsschuhhaus Baumgartner war eines der ersten Opfer der Coronavirus-Krise. Mit elf Filialen musste das Schuhhaus Ende April Insolvenz anmelden. Branchenvertreter befürchten, dass das erst der Anfang einer Pleitewelle im heimischen Schuhhandel war. Die Krise und die Schließungen der Geschäfte kamen genau zu Beginn des wichtigen Frühjahrs-Geschäfts.

Rund 60 Prozent weniger Umsatz

„Es ist so, dass wir im Schuhhandel von Beginn des Jahres bis jetzt einen Umsatzrückgang von rund 60 Prozent haben. Während des Lockdowns war das noch viel prekärer, da war der Rückgang bis zu 100 Prozent“, sagt Franz Rattenegger, Sprecher des Schuhhandels in der Wirtschaftskammer.

Schuhgeschäft Baumgartner Graz
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Das Traditionsschuhhaus Baumgartner musste im April Insolvenz anmelden.

Rattenegger ist selbst Schuhhändler mit mehreren Geschäften in der Obersteiermark. Das Geschäft sei zwar wieder angelaufen, doch die Kunden kaufen nun die Sommerware. Gleichzeitig müsste die Winter-Kollektion für das kommende Jahr geordert werden – dafür fehle aber das Geld: „Wir brauchen eine Ersatzleistung für die Ware in unseren Lagern, die nicht verkauft werden konnte und die dementsprechend reduziert verkauft werden muss.“

Hilfe vom Staat gefordert

Diese Hilfe fordert auch der steirische Schuherzeuger Legero. Was bis jetzt nicht verkauft wurde, ist kaum mehr an den Mann zu bringen, meint Legero-Chef Stefan Stolitzka: „Da reden wir ungefähr von 300.000 bis 400.000 Paar Schuhen, die uns in diesem Frühjahr übrig geblieben sind und die wir nicht liefern konnten. Das waren ungefähr zwei bis drei Millionen Euro Umsatzverlust pro Woche.“ Legero ist der fünftgrößte Schuherzeuger Europas.

Darüber hinaus sei das System der sonst üblichen Ausfall-Versicherungen zusammengebrochen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern habe der Staat mittlerweile Ausfalls-Haftungen übernommen, in Österreich sei das der Regierung bis jetzt nicht gelungen. „Da geht es um 50 Millionen Euro Umsatz nur im Herbst und Winter. Das betrifft übrigens viele Branchen in Österreich, nicht nur die Schuhindustrie“, sagt Stolitzka. Es gehe um Produktionswerte in Milliardenhöhe, die abgesichert werden müssen, sagt der Legero-Chef.