Feuerwehr bei Aufräumarbeiten
Thomas Zeiler
Thomas Zeiler
Chronik

Unwetter zogen wieder Spur der Verwüstung

Am Montag sind von Nachmittag weg bis in die Abendstunden wieder teils heftige Gewitter über der Steiermark niedergegangen. Betroffen war vor allem der Raum Graz, zudem auch das Murtal und die Oststeiermark.

Die Böden sind durch die starken Regenfälle der vergangenen Tage bereits gesättigt, durch die neuerlichen Unwetter ist es daher wieder steiermarkweit zu Vermurungen und Überschwemmungen gekommen, bestätigt Erwin Grangl vom Landesfeuerwehrverband Steiermark.

Knapp 100 Einsätze steiermarkweit

Landesweit waren es rund hundert Unwettereinsätze, die seitens der steirischen Feuerwehr verzeichnet wurden, so Grangl: „Es sind wiederum Keller unter Wasser, Garagen unter Wasser, Bäume über Straßen, Bäume auf Hausdächern und natürlich Vermurungen in einer größeren Anzahl in der betroffenen Region Graz-Umgebung, im Murtal, im Bereich Voitsberg, Weiz und Hartberg.“

Feuerwehr bei Aufräumarbeiten
Thomas Zeiler

Einkaufszentrum in Kapfenberg überflutet

In Kapfenberg musste die Feuerwehr zu einem überfluteten Einkaufszentrum ausrücken. Mehrere Abteilungen und Geschäfte im Einkaufzentrum standen unter Wasser, drei Stunden lang waren die Einsatzkräfte mit den Auspumparbeiten beschäftigt.

Im Großraum Knittelfeld zog ein kurzes, aber heftiges Gewitter mit Starkregen über die Gemeinde Lobmingtal. In Mitterlobming trat in der Folge der Bach über die Ufer, die Wassermassen drohten in ein Einfamilienhaus einzudringen. Mittels Sperren und Sandsäcken wurde versucht, das Wasser auf ein offenes Feld umzuleiten. Zeitgleich stand der Keller eines Einfamilienhauses samt Carport nur wenige Kilometer entfernt unter Wasser. Allein in diesem Einsatzbereich standen 42 Mann bis in die späten Nachmittagsstunden am Montag im Einsatz.

Überschwemmung Einkaufszentrum Kapfenberg
FF Kapfenberg – Diemlach

Mehrere Brücken in St. Barbara im Mürztal zerstört

Im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag waren die Ortschaften Klein Veitsch, Pretal und Groß Veitsch die Unwetter-Hotspots. Durch den Starkregen traten die Bäche aus der Klein Veitsch, Pretal und der Groß Veitsch stellenweise über die Ufer, dadurch wurden mehrere Brücken zerstört; außerdem gab es Hangrutschungen im Pretal, teilweise wurden auch Straßen unterschwemmt. Insgesamt standen 80 Feuerwehrkräfte in diesem Bereich im Einsatz, auch die Gemeinde selbst half mit Baggern und Lastwägen aus.

Zahlreiche Straßen beschädigt

Auch zahlreiche Straßen sind in den vergangenen Tagen zerstört worden oder unpassierbar geworden. Die Straßenmeistereien waren daher am Montag unterwegs, um herauszufinden, welche Straßen von weiteren Murenabgängen gefährdet sein könnten, sagt Geologe Marc Andre Rapp. Massive Schäden gebe es etwa auch auf der St. Lambrechter Straße (L502), auf der Zeutschacher Straße (L525), an der Turracher Straße (B95) und an der Murtal Straße (B96): „Das Problem sind Hangrutschungen, Unterspülungen vom Bach, Murenabgänge und kleinere Felsstürze. Die Erkundungen sind größtenteils abgeschlossen, wir sind schon in den Sicherungsmaßnahmen, das heißt, wir errichten am Bach Steinstützkörper, Steinschlichtungen und setzen unsere Schutznetze in Stand.“

Feuerwehr bei Aufräumarbeiten
Thomas Zeiler

Millionenschaden in der Landwirtschaft

Durch Starkregen und Hagel sind am Montag laut österreichischer Hagelversicherung auch wieder einige landwirtschaftliche Flächen verwüstet worden. Die Rede ist von 3.000 Hektar, die in Mitleidenschaft gezogen wurden, der Schaden wird auf rund eine Million Euro geschätzt. Geschädigt wurden vor allem Wein-, Obst- und Gemüsekulturen sowie Acker- und Grünlandflächen in den Bezirken Murtal, Leoben, Südoststeiermark, Graz-Umgebung, Leibnitz und Weiz.

Feuerwehr bei Aufräumarbeiten
Thomas Zeiler

Insgesamt betragen die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen durch extreme Wetterereignisse im heurigen Jahr bereits zwischen 45 und 50 Millionen Euro, heißt es seitens der Österreichischen Hagelversicherung. Allein die Frostschäden belaufen sich heuer in der Steiermark auf rund 26 Millionen Euro.

Bundesheer startete Assistenzeinsatz

Indessen hat am Montag der Assistenzeinsatz des Bundesheeres begonnen, in erster Linie, um die Unwetterschäden der vergangenen Tage aufzuarbeiten – mehr dazu in Unwetter: Soldaten starten Assistenzeinsatz.

40 Soldaten eines Bau-Pionier-Zuges aus Graz helfen bei Aufräumarbeiten in den Bezirken Weiz und Murau, schildert Heeressprecher Dominik Resch: „Wir haben 20 Pioniere in Murau eingesetzt, welche Verklausungen lösen. Wir haben darüber hinaus noch 20 Mann, welche begonnen haben, die Vermessungen durchzuführen für einen Brückenbau in Weiz.“

Schon am Dienstag soll mit dem Brückenbau begonnen werden. Denn gerade im oststeirischen Jogelland haben Unwetter vergangene Woche schwere Schäden angerichtet – mehr dazu in Starke Unwetter im steirischen Joglland.

Bahnstrecke nach Murenabgang teils wieder freigegeben

In Scheifling im Bezirk Murau ließ ein Murenabgang sogar einen Zug entgleisen – mehr dazu in Murenabgang ließ Railjet entgleisen. Die Südstrecke zwischen Scheifling und Mariahof-St. Lambrecht konnte aber bereits am Montagnachmittag wieder für den Fernverkehr freigegeben werden. Der Personennahverkehr zwischen Friesach und Unzmarkt wird bis 20. August aber noch mit Ersatzbussen geführt.

Noch Montagabend wurde das Katastrophengebiet im Bezirk Murau allerdings um Steirisch Laßnitz erweitert und zwar um die Orte St. Lambrecht und Mühlen. Dort waren nach starken Regenfällen am Wochenende zahlreiche Muren abgegangen.