Frau telefoniert
Pixabay
Pixabay
Coronavirus

Suizid: Anrufe bei Männernotruf nehmen zu

Im Bundesländervergleich liegt die Steiermark bei den Suiziden an erster Stelle. Die heimischen Beratungsstellen – etwa der Männernotruf – verzeichnen derzeit um etwa zehn Prozent mehr Anrufe wegen Selbstmordgedanken als noch vor einigen Jahren.

Vor allem seit dem coronabedingten Lockdown hätten die Beratungs-Anfragen beim Männernotruf Steiermark stark zugenommen. 78 Anrufe hat es seit Jahresbeginn gegeben, weil Menschen Suizidgedanken hatten oder Suizid begehen wollten. Insgesamt sind in der Steiermark im Vorjahr 217 Menschen durch Selbsttötung gestorben. In der Landeshauptstadt waren es in diesem Jahr 30 Menschen, die sich selbst das Leben genommen haben.

Anrufer mit konkreten Suizidplänen

Das seien etwa zwei Anrufe zum Thema Suizid pro Woche und die Zahl der Anrufe würde weiter steigen, sagt Eduard Hamedl, der Gründer des Männernotrufs: „Jetzt in den letzten Wochen haben wir vermehrt Anrufe, wo Menschen mit ihrer Lebenssituation wirklich nicht mehr zurecht kommen und Suizid in Erwägung ziehen. Und zum Teil schon ganz konkrete Pläne für einen Suizid haben.“

Beziehungskrisen seien der Hauptgrund dafür, dass Menschen Suizid begehen wollen. Die Corona-Krise, die damit verbundene Angst um den Arbeitsplatz und die finanzielle Versorgung der Familie würden derzeit besonders Männer verzweifeln lassen. Männer nehmen sich auch drei Mal öfter das Leben als Frauen.

Erweitertes Angebot für Prävention

Um Menschen zu zeigen, dass es immer einen anderen Weg gibt, erweitert das Land Steiermark sein Beratungsangebot. Das „Go-On“-Kompetenzzentrum für Suizidprävention eröffnet einen Standort für Graz und Graz-Umgebung. Damit ist „Go-On“ nun in allen Bezirken vertreten, sagt Projektleiterin Sigrid Krisper: „Die Bedarfsschätzung für Graz ist so, dass wir im Schnitt einen Suizid pro Woche haben. Und in anderen Regionen kann es durchaus sein, dass es zwei bis drei Suizide pro Woche sind.“

Das Kompetenzzentrum organisiert steiermarkweit Workshops, um Betroffenen zu helfen aber auch um Menschen, die öfter mit Suizid-Gefährdeten in Kontakt sind, zu schulen: „Wir haben für Schulen – also einerseits für die Schüler, andererseits für die Lehrer – Angebote. Für das Rote Kreuz, für die Feuerwehr. Gerade heuer schulen wir ganz intensiv die Polizei.“, sagt Krisper.

Beratungsstellen Kontakt:
Männernotruf: 0800 246 247
Telefonseelsorge: 142
Kriseninterventionsteam: 0800/500 154

Beratungsstellen 24/7 erreichbar

Die Experten raten dazu, Menschen mit Suizidgedanken zuzuhören, sie ernst zu nehmen und ihnen zu zeigen, dass es Hilfe gibt. Hilfe und einen Weg aus der Krise konnte man heuer auch schon beim Männernotruf vielen geben, sagt Eduard Hamedl.

Die steirischen Beratungsstellen – wie etwa der Männernotruf, die Telefonseelsorge oder das Kriseninterventionsteam Land Steiermark – bieten rund um die Uhr Unterstützung und Beratung für alle, die mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben.