Coronatest für Tourismusmitarbeiter in Saalbach
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Coronavirus

Corona-Massentests: Viele offene Fragen

In zwei Wochen starten die Covid Massentests in Österreich. Sie sollen auf freiwilliger Basis stattfinden und in einem ersten Schritt für Lehrer, Kindergartenbetreuer und Polizisten zur Verfügung stehen.

Am 5. und 6. Dezember sollen zunächst die 200.000 Lehrer und Kindergartenbetreuer getestet werden, anschließend 40.000 Polizisten. Kurz vor Weihnachten sollen dann breite Massentests auf freiwilliger Basis stattfinden- mehr dazu in Anschober konkretisiert Vorgehen (news.ORF.at). Zur praktischen Umsetzung gibt es derzeit aber mehr offene Fragen als Antworten.

Alle Österreicher zu testen, würde 30 Tage dauern

Ähnlich wie in der Slowakei sollen in knapp zwei Wochen die ersten 100 Teststraßen in den Bezirkshauptstädten errichtet werden. Bis Weihnachten soll es dann österreichweit 2.000 Teststraßen geben. Laut Logistikforschern würde es damit 30 Tage dauern, um alle neun Millionen Österreicher einmalig zu testen. Das wäre deutlich länger, als in der oft als Vorbild genannten Slowakei, wo an vier Tagen 3,6 Millionen Menschen getestet wurden.

Dazu sagt Marc Reimann vom Institut für Logistik der Uni-Graz: „Die Slowakei hat nur die Zehn- bis 65-Jährigen getestet. Das wären dann nur 6,3 Millionen in Österreich und sie hatten 5.000 Teststraßen. Damit kann man die Zeit schon deutlich reduzieren.“

„Wer soll Tests diagnostizieren?“

Auch wenn das Bundesheer nach dem Contact Tracing nun auch bei der Abwicklung der Massentests unterstützen soll: Mehr Teststraßen heißt auch mehr geschultes Gesundheitspersonal, um die Tests abnehmen zu können. Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß sagt, es sei die Frage, woher man das Personal nehme. Immerhin seien jene, die bereits in Betrieben arbeiten, sehr gut ausgelastet. Außerdem sei die Frage, wer die Tests diagnostiziere, ob es bei einem positiven Testergebnis automatisch zu einer Absonderung komme, die nach zehn Tagen wieder aufgehoben wird, wenn man nicht symptomatisch sei, und ob es ein Contact-Tracing gebe.

Hygiene-Experte: Tests sind Momentaufnahmen

Auch die Aussagekraft der verwendeten Antigentests wird von Virologen skeptisch gesehen. „Wir wissen ja, dass ich mit einem einmaligen Testergebnis nur eine minutengenaue Momentaufnahme darstelle. Bei einer möglichen Inkubationszeit von ein bis zehn Tagen bleibt viel viel Zeit, um nach dem Test wieder eine Infektion zu entwickeln. Somit ist die Aussagekraft eingeschränkt“, sagt Klaus Vander vom Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie. Und ungeklärt sei bis dato auch die Frage der Terminvergabe, um Massenansammlungen bestmöglich zu verhindern.