Bach im Rothwald im Wildnisgebiet Dürrenstein
Christoph Leditznig
Christoph Leditznig
Umwelt

Steiermark bekommt mehr Wildnis

Das Wildnisgebiet Dürrenstein im Süden Niederösterreichs gilt als einer der letzten Lebensräume in Europa, die sich seit der jüngsten Eiszeit ohne Einfluss des Menschen entwickeln konnten. Jetzt wird dieses Gebiet auf die Steiermark ausgeweitet.

Das Wildnisgebiet Dürrenstein ist ein einzigartiges Naturjuwel: Mit seinen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten stellt das Gebiet einen wichtigen Baustein im Ökosystem dar. Die Waldgebiete dürfen kommerziell nicht mehr genützt werden, sogar Betreten ist verboten, Ausnahmen stellen geführte Touren dar – das Unberührte soll eben auch unberührt bleiben.

Südwestflanke des Dürrenstein im Herbst
Werner Gamerith

35 Quadratkilometer Urwald-Naturerbe

Das Wildnisgebiet rund um den letzten Urwald Mitteleuropas, den Rothwald, ist seit 2017 auch Weltnaturerbe – das einzige in Österreich. In Verhandlungen mit den Österreichischen Bundesforsten gelang es nun, dieses Gebiet in die Steiermark – genauer gesagt ins Lassingtal – zu erweitern.

Es geht um rund 35 Quadratkilometer, die jetzt offiziell an das Wildnisgebiet angebunden werden, sagte Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner (SPÖ): „Im Wissen um den Klimawandel ist es eine bedeutende Aufgabe, das Gebiet um den steirischen Anteil zu erweitern. Es ist ein unglaublicher Lebensraum, der einer Vielfalt von Pflanzen und Tieren zur Verfügung steht. Er ist unberührt, und er wird den Menschen auch zugänglich gemacht“, so Lackner.

Urwald Rothwald im Wildnisgebiet Dürrenstein
Theo Kust

Auch Tourismus geplant

Das Projekt sei wichtig im Kampf gegen den Klimawandel und gleichzeitig auch wichtig für die gesamte Gesäuse-Region: Geführte Touren durch das neue Gebiet sollen den Tourismus in der Region ankurbeln und auch Bewusstsein für die Natur schaffen.

Agrarlandesrat Hans Seitinger (ÖVP) sagte, „das Wildnisgebiet Lassingtal ist ein touristisches Angebot zum Thema ,Zurück zum Ursprung’. Naturtourismus wurde zuletzt ja zu einer Cash-Cow, es braucht aber zunehmend verantwortungsvolle Lenkungsqualität und Besuchermanagement.“ Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) sprach von einem „Jahrhundertprojekt, wichtig für Natur und Mensch, wir haben das Glück, noch ein paar unberührte Flecken zu haben, die müssen wir schützen“.

Bis zum Sommer soll das Projekt endgültig umgesetzt werden. Die Naturschutzorganisation WWF begrüßt die Erweiterung in die Steiermark und spricht vor dem Hintergrund der Klimakrise von einem Meilenstein. In Lunz am See soll ab Mai das „Haus der Wildnis“ als Ausstellungs- und Besucherzentrum fungieren.

Freude bei Umweltdachverband und in NÖ

„Wir freuen uns, dass die Steiermark das nahezu unberührte Lassingtal zum Wildnisgebiet erklären wird. Gut Ding braucht Weile, denn verhandelt wird seit Jahren. Dass für dieses faszinierende Waldökosystem, das einen der letzten Urwälder in Mitteleuropa beherbergt, nun endlich der Durchbruch gelungen ist, ist sehr zu begrüßen“, sagte Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands, in Reaktion auf die Bekanntmachung am Donnerstag.

„Das Wildnisgebiet ist ein Natur-Juwel von internationalem Rang“, sagte auch der niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP): „Mit der Erweiterung wird dieses einzigartige Herzstück und die umliegenden Wälder noch umfassender geschützt und für alle Zeiten erhalten. Ein Meilenstein für den österreichischen und europäischen Naturschutz,“ so Pernkopf.