Wirtschaft

Mentoren für lehrstellensuchende Migranten

Die Wirtschaftskammer startet gemeinsam mit dem AMS und dem Integrationsfonds ein Mentoring-Projekt, um Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft bei der Lehrstellensuche zu unterstützen.

Trotz der CoV-bedingt schwierigen Situation am Arbeitsmarkt steht aktuell ein Überangebot an Lehrstellen zur Verfügung, hieß es am Freitag in einer Aussendung der Wirtschaftskammer Steiermark: 800 betriebliche Ausbildungsplätze sind allein beim AMS Steiermark als sofort besetzbar gemeldet, dazu kommen weitere 2.247 offene Lehrstellen, die in den kommenden Monaten zu besetzen wären. Dem gegenüber stehen in der Steiermark aktuell 550 Lehrstellensuchende und weitere 909 Jugendliche, die in den kommenden Monaten ihre berufliche Ausbildung starten wollen.

Mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende

Trotzdem fällt die Vermittlung von migrantischen Jugendlichen oft schwer. Aus diesem Grund starteten Wirtschaftskammer, Arbeitsmarktservice und Österreichischer Integrationsfonds nun das Pilotprojekt „Mentoring für migrantische Lehrstellensuchende“: Ziel ist es, junge Erwachsene mit Migrationshintergrund bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen; Mitarbeiter von renommierten steirischen Unternehmen und Organisationen – unter anderem von Anton Paar, Knapp oder dem Roten Kreuz – stehen ihnen dabei als Mentoren zur Seite.

Teilnehmer aus neun Nationen

13 Mentoren-Paare nehmen bei diesem erstmaligen Programm teil. Die Mentees sind migrantische Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren, die beim AMS Graz West und Umgebung oder beim AMS Graz Ost vorgemerkt sind, eine Lehrstelle suchen und über ausreichende Deutschkenntnisse, sowie über genügend schulische Kenntnisse verfügen, um eine Berufsschule erfolgreich absolvieren zu können; sie stammen aus insgesamt neun Nationen.

Der Auftakt erfolgte am 8. April virtuell, das Programm soll bis Anfang Oktober laufen. In dieser Zeit wird es nicht nur zahlreiche virtuelle und – wenn wieder möglich – auch persönliche Treffen geben, sondern auch etliche Veranstaltungen, teilte die Wirtschaftskammer am Freitag mit.

„Die Wirtschaft kennt keine Grenzen“

Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, sagte am Freitag über das Projekt: „Wer die Werkbank teilt, wird sich auch leichter beim Miteinander in allen anderen Lebensbereichen tun. Darum unterstützen wir dieses Programm, denn die Wirtschaft braucht gut ausgebildete junge Menschen. Ihnen stehen alle Karrieretüren offen. Angesichts der demographischen Entwicklung und des auch in Corona-Zeiten vorherrschenden Fachkräftemangels brauchen wir jeden klugen Kopf und alle geschickten Hände. Die Wirtschaft kennt hier keine Grenzen.“

Christian Namor, Leiter der AMS-Geschäftsstelle Graz West und Umgebung, ergänzte: „Mit Stand Ende März 2021 waren insgesamt 959 offene Lehrstellen bei den beiden Grazer AMS-Geschäftsstellen gemeldet, die Nachfrage der Betriebe nach engagiertem Nachwuchs ist also groß. Mit dem gemeinsamen Mentoringprojekt sollen migrantische Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg zu einem passenden Lehrplatz begleitet werden, um so erfolgreich den ersten Schritt ihres Berufslebens setzen zu können. Sie profitieren dabei vom Know-How und den Netzwerken ihrer Mentorinnen und Mentoren.“

Viele Türen stehen offen

Sabina Džalto, Leiterin des Integrationszentrums Steiermark, sagte: "Mit dem Projekt erhalten Jugendliche mit Migrationshintergrund die Chance, erfolgreich eine Lehrstelle zu finden. Wer sich heute für einen Lehrberuf entscheidet, dem stehen am Ende seiner Lehrzeit viele Türen offen.“

Christoph Haidic von der Knapp AG ist einer der Mentoren, und er ist der Meinung, dass jene Personen, die nicht die gleichen Startbedingungen bekamen, eine Unterstützung erhalten müssten, „vor allem, um den Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken und um die Integration zu fördern. Meine Erfahrung und mein Wissen weiterzugeben, bereitet mir als Lehrlingsausbilder große Freude“.

Mentor Christoph Haidic (Fa. Knapp) mit Mentee Ali Azghar ASKARZADEH
Foto Fischer
Christoph Haidic (Knapp AG) und Ali Azghar Askarzadeh sind eines von insgesamt 13 Mentoren-Paaren.

Ali Azghar Askarzadeh aus Afghanistan nimmt als lehrstellensuchender Mentee an dem Projekt teil: „Nachdem ich den Pflichtschul-Abschluss gemacht hatte, fing ich gleich an, nach einer Lehrstelle zu suchen. Ich merkte aber recht bald, dass das nicht so einfach war, wie ich mir vorgestellt habe. Beim Roten Kreuz wurde mir das Mentoring Programm vorgestellt, und ich war sofort an einer Teilnahme interessiert.“ Nun hofft er, mit der zusätzlichen Unterstützung schneller und leichter an sein Ziel zu kommen, eine betriebliche Lehre zu absolvieren.