Pressekonferenz zu „Pfingstdioalog“
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Religion

„Pfingstdialog“ thematisierte Europa und CoV

Der diesjährige Pfingstdialog „Reset Europe“ auf Schoss Seggau ist im Zeichen der Herausforderungen in Europas auch durch CoV gestanden. Mehr Zusammenhalt und Selbstvertrauen bräuchte Europa, so der Grundtenor. Gewarnt wurde vor dem Erstarken von Nationalismen.

„Der diesjährige Geist & Gegenwart Pfingstdialog steht ganz im Zeichen der aktuellen Herausforderungen, vor denen Europa, Österreich und die Steiermark aufgrund der Covid-19-Pandemie stehen“, hatte die steirische Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) im Vorfeld angekündigt. 37 Referenten diskutierten zum Thema „Reset Europe“ diskutiert. Am Freitag gab es Stellungnahmen von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP), EU-Kommissar Johannes Hahn und vom Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler.

Schützenhöfer: Das Hemd oft näher als der Rock

Bei der Bewältigung der Pandemie sei Europa in einer privilegierten Situation, sagte Landeshauptmann Schützenhöfer. „Es ist normal geworden, sich am Europa der Union abzuputzen. Gerade auch bei uns. Diejenigen die das tun, vergessen, Europa sind ja wir.“

Dennoch sei Europa auch geprägt „von Staaten, die oft voneinander nichts wissen wollen“, sagte Schützenhöfer. „Und natürlich haben wir es in der Pandemie gesehen, wie es ist, abhängig zu sein. Wenn es drauf ankommt ist halt der Nationalstaat da, ist halt das Hemd näher als der Rock. Und das ist unser Problem. Aber deshalb den Rock ausziehen, damit des diesen Schutz, dieses Dach Europa nicht mehr gibt, das wäre verheerend.“

Friede und Selbstvertrauen

Europa brauche auch mehr Selbstvertrauen, sagte EU-Kommissar Johannes Hahn. „Wir sollen uns nicht davor verstecken, der attraktivste Absatzmarkt der Welt und der internationalste Kontinent zu sein. Europa hat auch eine wichtige friedensstiftende Funktion. Deshalb ist es wichtig, bei all der Problematik, an der Mitgliedschaft der sechs noch verbliebenen Nicht-Mitgliedsstaaten des Westbalkans zu arbeiten. Weil die Mitgliedschaft in der Europäischen Union die regionalen Konflikte auflösen wird. Weil dann Fragen von Grenzziehungen gegenstandslos werden.“

Bischof Glettler warnte vor gefährlichem Nationalismus

Kritische Worte fand der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler, ein Steirer. Es scheine, sagte er, „als würde die ungleiche Entwicklung von Interessen und Möglichkeiten ein gefährliches Paradigma des Nationalen heraufbeschwören, das Europa in seiner Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit schwächt. Der von diesem neuen Nationalismus getragene Populismus verlockt, die Solidarität mit anderen Mitgliedsstaaten zu verweigern.“

Europas Herz für Asylsuchende würde, „durch Stacheldrahtzäune, Zurückweisungen und Nichterfüllung beschlossener Verteilungsquoten zu versteinern drohen“, so Glettler wörtlich.