Karl Schmidhofer und Peter Schröcksnadel
APA/ROLAND SCHLAGER
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Sport

Schröcksnadel und Schmidhofer demonstrativ einig

Am Donnerstag haben sich Peter Schröcksnadel und sein designierter Nachfolger als ÖSV-Präsident, der Steirer Karl Schmidhofer, der Öffentlichkeit präsentiert – und dabei demonstrativ Einigkeit demonstriert.

Der Chef des steirischen Landesskiverbandes war in der Nacht auf Mittwoch beim Treffen des ÖSV-Wahlausschusses in Salzburg nach langen und ergebnislosen Diskussionen um die beiden vorgeschlagenen Kandidaten Michael Walchhofer und Renate Götschl letztlich als überraschende Kompromisslösung präsentiert worden. Der ÖVP-Nationalratsabgeordnete akzeptierte den Vorschlag nach einem Telefonat mit seiner Frau noch vor Mitternacht. Die Wahl und damit die offizielle Übergabe des Amtes erfolgen am 19. Juni bei der ÖSV-Länderkonferenz in Villach – mehr dazu in Schmidhofer designierter ÖSV-Präsident und in Akribischer Seilbahner wird ÖSV-Boss.

„Ab jetzt soll es in die Zukunft gehen im erfolgreichsten Skiverband der Welt“, betonte Schmidhofer am Donnerstag bei der Pressekonferenz in Wien und sprach damit die turbulenten und nicht immer konstruktiven Wochen rund um die teils hitzig erfolgte Nachfolgediskussion an: „Man hat gesehen, dass es einen Kompromiss braucht“, betonte der 59-jährige Murtaler.

Schröcksnadel: „Ende gut, alles gut“

Auch Langzeit-Präsident Schröcksnadel, der nach 31 Jahren im Amt nicht mehr antritt, gab sich über die Einigung und das Ende der Streitereien erfreut und bezeichnete Schmidhofer als gute Wahl: „Es freut mich für den gesamten ÖSV, dass diese Unsicherheit jetzt vorbei ist. Alle haben darunter gelitten. Ende gut, alles gut“, sagte der 79-jährige Tiroler.

Er freue sich über Schmidhofer als Lösung: „Wir kennen uns ewig lange, mit dieser Entscheidung kann ich gut leben“, so Schröcksnadel. Dass Schmidhofer sein politisches Amt mit der Übernahme des ÖSV zurücklege und auf eine Gage verzichte, sei äußerst ehrenhaft. „Ich wollte ja immer verhindern, dass der ÖSV politisch wird. Jetzt kann man die Fortsetzung der Ehrenamtlichkeit feiern. Außerdem freut mich, dass es keine Verlierer gibt“, verwies Schröcksnadel darauf, dass Walchhofer ÖSV-Vizepräsident bleibe und Götschl Nachfolgerin von Schmidhofer als Präsidentin in der Steiermark werde. „So können sie ihre Ideen umsetzen, wie sie sie präsentiert haben.“

Er selbst werde immer als Ratgeber zur Verfügung stehen, sich aber auch nicht aufdrängen, betonte der seit 1990 amtierende Schröcksnadel, der im Juni für ein weiteres Jahr im FIS-Council kandidiert und so mit dem Schneesport in Verbindung bleiben würde. Er werde sich in Zukunft aber vor allem seinem erfolgsversprechenden und 100 Mio. Euro schweren Krebs-Projekt widmen, betonte Schröcksnadel. Schmidhofer wiederum sind alle Tipps recht, „die helfen, den ÖSV voranzubringen“, Einflüsterer brauche er aber nicht, betonte der erfolgreiche Geschäftsmann und Troubleshooter.

Ziel: Die Nummer eins bleiben

Schmidhofer gibt mit seiner Entscheidung ein gut dotiertes Mandat ab und will auch an den Verbandssitz nach Innsbruck übersiedeln. Er habe in seinem Geschäftsleben schon vieles erlebt, sagte der Seilbahner und Touristiker, die Geschehnisse in der Salzburger Nacht hätten ihn aber doch mitgenommen. Nun gelte sein ganzes Streben ausschließlich der Zukunft: „Der ÖSV steht weltweit an der Spitze, hat 300 hervorragende MitarbeiterInnen und fast 400 SportlerInnen. Da braucht es einen Präsidenten, der da ist und Themen umsetzen kann.“

Oberstes sportliches Ziel sei, die Nummer eins zu bleiben: „Aber wir wollen auch den Kinder- , Jugend- und Schulsport in die Gänge bekommen.“ Er werde sich unmittelbar nach der Wahl mit den MitarbeiterInnen und Sportlerinnen treffen, betonte Schmidhofer. Schröcksnadel lud seinen designierten Nachfolger darauf spontan ein, dies doch schon vor der Wahl zu tun.

„Froh, dass wir wieder eine geeinte Familie haben“

Nicht abgehen werde ihm das Drumherum, sagte Schröcksnadel, vielmehr aber die AthletInnen sowie vor allem seine engste Mitarbeiterin Katharina Trojan, mit der er 35 Jahre lang kein böses Wort gewechselt habe. Warum die Entscheidungsfindung so strittig verlaufen sei, erklärte Schröcksnadel so: „Da war schon vorher viel verbrannte Erde, dann geht’s eben irgendwann nicht mehr.“ Götschl hätte grundsätzlich die Mehrheit gehabt, habe aber auch immer gesagt, dass sie keine Spaltung wolle.

Gegen Walchhofer als Präsident sei er gewesen, „weil der den Verband nicht sehr gut kennt“ – wenn man dann trotzdem alles verändern wolle, sei das „katastrophal“. Erst wenn man die Schwachstellen kenne, könne man an den Stellschrauben drehen. „Bei einem so erfolgreichen Verband mit schnellen und effizienten Strukturen muss man sehr vorsichtig umgehen. Alleine das Niveau zu halten, ist schwierig genug.“

Mit Schmidhofer habe er überhaupt nicht gerechnet, gestand Schröcksnadel ein – dieser hätte ursprünglich ja eigentlich Götschl vertreten sollen, und die Ex-Rennläuferin hätte man aufgrund der Mehrheitsverhältnisse durchaus durchpeitschen können: „Dann hätte es Götschl als Präsidentin, aber keinen Konsens und eine Spaltung gegeben. Das wollte auch Renate nicht. Ich bin froh, dass wir wieder eine geeinte Skifamilie haben.“

„Der ÖSV steht gut da!“

Schröcksnadel betonte erneut, dass er schon länger per 19. Juni notariell seine Ämter auch in den Wirtschaftsabteilungen des ÖSV zurückgelegt habe – es gebe keine Leichen im Keller. „Der ÖSV steht gut da!“ Man habe trotz CoV-Krise sogar ein Plus von zwei Millionen Euro gemacht – jeder Landesverband soll deshalb zum Abschied einen Bus bekommen. Außerdem sei vorstellbar, 500.000 Euro extra auszuschütten.

„Die Tür zur Politik geht zu, die zum ÖSV geht auf“

Schmidhofer ist wichtig, künftig zumindest drei Frauen im Präsidium zu haben. Die Frage, wer künftig die Geschäftsführung der Holding bzw. der ÖSV-Tochterfirmen bekleiden werde, wurde im Detail nicht beantwortet. Schmidhofer sagte, dass er sich wie bisher in allen seinen Firmen einen Aufsichtsrat wünsche, jetzt ins Detail zu gehen, sei aber noch nicht angesagt: „Aber, ja, ich bin es als Geschäftsführer gewohnt, ein Gremium zu haben, das kontrollierend wirken kann.“ Ihm sei nun bewusst: „Die Tür zur Politik geht zu, die zum ÖSV geht auf.“