Biergläser
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Wirtschaft

„Bierpatent“: Kleine Brauereien fürchten um Zukunft

Kleine und mittelgroße Brauereien blicken mit Sorge in die Zukunft, da Großkonzerne weiterhin versuchen, Braugerste-Arten zu patentieren. In den Streit um das „Bierpatent“ sind auch steirische Brauereien verwickelt.

Die Debatte über die Patentierung von Pflanzen, Saatgut und Nutztierzüchtungen durch Großkonzerne kocht immer wieder hoch – nicht zuletzt aufgrund von griffigen Beispielen wie den „Bierpatenten“ auf Braugerste. Brauereikonzerne hatten diese vor einigen Jahren erfolgreich schützen lassen. Mehrere Gruppen wollen die Entscheidung nun kippen und damit Schlupflöcher für künftige Biopatente schließen. Der Fall wurde am Dienstag vor dem Europäischen Patentamt (EPA) verhandelt, und dabei konnten sich die Großkonzerne durchsetzen – „Bierpatente“: Umweltschützer scheitern mit Beschwerde (news.ORF.at).

Wettbewerbsnachteil befürchtet

Diese Verhandlung wurde auch in der Steiermark mit Spannung erwartet: Josef Rieberer, Geschäftsführer der Brauerei Murau – diese hat als Mitglied der CulturBrauer Österreich Berufung gegen die Patente eingelegt – befürchtet einen deutlichen Wettbewerbsnachteil für kleine und mittlere Brauereien, wenn die Patente bei Großkonzernen liegen, weil einerseits die Gerste für kleinere Brauereien nur noch schwer leistbar wäre, und andererseits auch die Zucht nicht mehr uneingeschränkt möglich wäre: „Weil es die Möglichkeiten hemmt, in dieser Sortenentwicklung Forschung und Entwicklung zu betreiben. Wenn unsere Saatzuchtanstalten das nicht mehr machen können, weil die Patente internationalen Großkonzernen gehören, dann wird es natürlich schwierig, wettbewerbsfähig zu produzieren.“

Generalappell via Braugerstepatent

Gefordert wird, dass das verhandelte „Bierpatent“ ganz widerrufen und die Regelung für die Patentierung von Pflanzen, Tieren und Saatgut von Grund auf überarbeitet wird. Es brauche genauere Definitionen zu den Verfahren und dem Ausmaß der Patentierung, so das Bündnis „No Patents o Seeds“, denn jedes Jahr würden rund 100 weitere Patentanträge auf konventionelle Züchtung dazukommen. In Europa seien schon jetzt über tausend Sorten von entsprechenden Patenten betroffen – von der Melone bis zum Brokkoli.