Pflegeschülerin bei der Ausbildung
ORF
ORF
Soziales

Pflege: Auszubildende sehen Berufszukunft negativ

Ein großer Teil der Auszubildenden im Pflegebereich sieht die Zukunft der Pflege in Österreich negativ – das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV) Steiermark.

610 Auszubildende aus ganz Österreich wurden befragt, und 39,6 Prozent gaben an, eine negative Sichtweise auf den Pflegeberuf zu haben; nur 17,7 Prozent blicken laut der Umfrage (Erhebungszeitraum November 2020 bis März 2021) optimistisch in die Zukunft, 42,7 Prozent blieben neutral („weder noch“).

„Alarmierend“

Der ÖGKV bezeichnete das Ergebnis der Studie in einer Aussendung am Montag als „alarmierend“: „Diese Ergebnisse können bestimmende Faktoren dafür liefern, warum Pflegepersonal teilweise den Beruf nicht lange praktiziert oder Auszubildende die Ausbildung vorzeitig beenden“, so ÖGKV-Vizepräsidentin und Studienkoautorin Tamara Archan.

Als Gründe für den negativen Blickwinkel wurden Personalmangel, fehlende Anerkennung, erschwerte Arbeitsverhältnisse, mangelnder Patientenkontakt und physische sowie psychische Belastung angegeben; zudem äußerten Auszubildende den Wunsch nach Entlohnung, Sicherheitszulagen oder finanzieller Unterstützung im Praktikum.

Pandemie erschwerte Ausbildung enorm

Die Pandemie brachte laut den Befragten zahlreiche Erschwernisse in der Ausbildung. „Der praktische Lerneffekt für Auszubildende litt in Zeiten der Pandemie enorm“, so der ÖGKV. Durch das Distance-Learning habe es etwa Schwierigkeiten gegeben, das Erlernte in die Praxis umzusetzen, heißt es in der Studie. Auch sei es zu Absagen von Praktikumsstellen gekommen. Wegen der CoV-Maßnahmen habe darüber hinaus keine Möglichkeit bestanden, verschiedene Bereiche im Krankenhaus zu sehen. Eine große Herausforderung habe auch das Tragen der Schutzausrüstung während des ganzen Arbeitstages dargestellt.

Viele Verbesserungen gefordert

Um die psychische und körperliche Gesundheit von Pflegepersonen in der Ausbildung zu schützen und somit optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen, sollte der Prävention in Hinblick auf die körperlichen und psychischen Belastungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, so der ÖGKV.

Wünschenswert wäre eine „rasche Verbesserung von Forderungen wie Entgelt, gerechte Arbeitsbedingungen, erhöhter Personalschlüssel, gezielt eingesetzte PraxisanleiterInnen als auch die Anerkennung und Wertschätzung der Auszubildenden“, so der Verband. „Die CoV-Pandemie ist eine anhaltende Krise, in der eine Adaptierung der klinischen/praktischen Lernumgebung für Pflegepersonen dringend notwendig ist“, so Hauptautorin Karin Hinterbuchner.

Als „erfreulich“ bezeichneten es die Studienautoren, dass trotz der erschwerten Umstände zwei Drittel der Befragten das zuletzt absolvierte Praktikum als „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten.