Ein Jugendlicher lehnt mit leeren Alkoholflaschen und einem Schnapsglas an einem Tisch
APA/dpa/Tobias Hase
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Chronik

Suchtbericht: Prävention zeigt Wirkung

Der aktuelle Suchtbericht des Gesundheitsfonds Steiermark zeigt: Die Präventionsarbeit zeigt Wirkung, zumindest beim Rauchen und beim Glücksspiel sind die Zahlen rückläufig. Immer häufiger kommen dafür Süchte durch das Internet auf.

Alle vier Jahre wird in der Steiermark ein Suchtbericht präsentiert – der aktuelle Bericht bezieht sich auf die Daten der Jahre 2017 bis 2020. Er zeigt unter anderem auf, dass die Suchthilfe- und Präventionsangebote in der Steiermark in einigen Bereichen ihre Wirkung zeigen, aber auch, wo neues Suchtverhalten entstanden ist.

Nikotin- und Spielsucht rückläufig

Rückläufig ist etwa der Tabak- und Nikotinkonsum, sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen, und das, obwohl die Palette an Tabak- und Nikotinprodukten mit Wasserpfeifen und E-Zigaretten in den letzten Jahren stark gewachsen ist: Aktuell rauchen noch knapp 16 Prozent der steirischen Bevölkerung täglich oder fast täglich Zigaretten.

Glücksspielautomat
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„Auch beim Automatenspiel ist seit 2016 ein Rückgang von 20 Prozent zu verzeichnen", betont Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner Strauß (ÖVP) die Erfolge der bisherigen Präventionsarbeit, durch die viele Betroffene vom Spielen abgehalten oder zu einer Therapie bewegt werden konnten. Allerdings machte der Personenkreis, der im Vorjahr in Suchthilfeeinrichtungen auf Grund einer Glücksspielsucht behandelt werden musste, immer noch zehn Prozent aus.

Internet und Essstörungen neue Herausforderungen

Immer stärker zum Thema werden Sucht im Alter, Essstörungen und die Internetsucht, wobei letztere überbordendes Shoppingverhalten genauso umfasst wie das Glücksspiel oder das übermäßige Nutzen von Sozialen Medien; eine detaillierte Studie zur suchthaften Internetnutzung in der Steiermark ist derzeit noch in Ausarbeitung. Die Sucht im Alter tritt vor allem im Zusammenhang mit Alkohol, Medikamenten und Nikotin auf, laut Suchtbericht ist im höheren Alter aber immer wieder auch Glücksspiel ein Thema.

Soziale Netzwerke
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Zahl der Drogensüchtigen stabil

Weitgehend stabil blieb in den letzten Jahren die Zahl der Personen mit Drogenproblemen. Geschätzt wird, dass sich mittlerweile mehr als die Hälfte der Betroffenen, die Opioide zu sich nehmen, auch in einer Substitutionsbehandlung befinden. Am häufigsten wird in der Steiermark aber Cannabis konsumiert, weshalb in der Suchtberatung und -prävention das Augenmerk hier vor allem auf den Jugendschutz gelegt wird.

Alkoholkonsum bleibt größte Herausforderung

Nach wie vor zu den größten Herausforderungen für das Gesundheitswesen zählt der Alkoholkonsum und seine schädlichen Folgen – rund sieben Prozent der Männer und 2,7 Prozent der Frauen sind in der Steiermark alkoholabhängig, und auch der problematische Konsum trifft mit 29 Prozent mehr Männer als Frauen mit knapp über 20 Prozent.

Etwa 2.000 Menschen werden aufgrund einer Alkoholsucht in den ambulanten Suchthilfeeinrichtungen in der Steiermark betreut. Damit nehmen Menschen mit Alkoholsucht den größten Anteil in
den ambulanten Suchthilfeeinrichtungen ein, gefolgt von verbotenen Drogen, Menschen in Substitutionsbehandlung und an vierter Stelle Menschen mit pathologischer Glücksspielsucht.

Illustration zum Thema "Alkohol am Steuer
APA/Hans Klaus Techt

Prävention weiterhin Hauptansatz

Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) erkennt durch die teils rückläufigen Zahlen bei den Suchterkrankungen zwar durchaus erfreuliche Entwicklungen, betont aber: „Wir müssen dennoch die therapeutischen Angebote für die Menschen in der Steiermark weiterentwickeln.“

Vorrangig gelte es laut Kampus aber auch weiterhin, Suchterkrankungen und ihre auch sozialen Folgen – wie etwa Job- oder Wohnungsverluste – überhaupt zu verhindern. Laut Gesundheitskasse trage man diesem Umstand bereits Rechnung und beginne bereits in den Kindergärten mit entsprechenden Präventionsmaßnahmen.

Steirische Suchtberatung wurde ausgebaut

Laut Suchtkoordinatorin Juliane Cichy und Johannes Koinig, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark, müsse der Zugang zur Suchthilfe vor allem einfach und unkompliziert sein: „Der Weg zur Suchthilfe sollte genauso selbstverständlich sein, wie eine medizinische Behandlung bei jeder anderen Erkrankung. Besonders wichtig sind dafür – gerade auch in Zeiten der Pandemie – ein niederschwelliger Zugang und sozial-integrative Angebote."

Um die Versorgung auch außerhalb von Graz zu gewährleisten, wurden vom Land vor kurzem die Suchtberatung in der Südsteiermark und die Substitutionsversorgung in der Obersteiermark sowie auch das neue Tageszentrum für Essstörungen in der Landeshauptstadt ausgebaut.