Gericht

Betrug in Bordell: Weitere Zeugen gehört

Ein ehemaliger Bordellbesitzer und zwei weitere Männer stehen in Graz wegen schweren Betrugs vor Gericht: Sie sollen einem Gast zu hohe Preise verrechnet und ihn dann um Liegenschaften betrogen haben. Am Dienstag ging es um die angebliche Spielsucht des Opfers.

Die Versionen von Anklage und Verteidigung waren von Anfang an ziemlich kontrovers. Die Staatsanwältin ist überzeugt, dass der 51-jährige Bordellbesitzer und seine mutmaßlichen Komplizen einem Stammgast, der als Landwirt mehrere Häuser besaß, seinen Besitz abnehmen wollten – also erlaubten sie ihm, im Lokal anschreiben zu lassen. Plötzlich standen auf der Rechnung 870.000 Euro, was er nie und nimmer konsumiert haben könne, ist der Gast überzeugt. Der Bordellchef wollte „zur Absicherung“ ins Grundbuch bezüglich dreier Liegenschaften gehen, und der Mann willigte ein – mehr dazu in Betrug im Bordell: Gäste abgezockt? (3.11.2021).

Die Beschuldigten leugnen großteils diese Taten, das sei alles nur vom Landwirt erfunden: Er soll sich vom Bordellbesitzer Geld geborgt haben, das dieser seinerseits von seinem mitangeklagten Bekannten holte. Die Konsumationsschulden habe es nie gegeben, das seien alles Darlehen gewesen. Heftig kritisiert wurden seitens der Verteidigung die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Sachverständigen, den alle vier Anwälte ablehnten.

Spielsüchtig – oder noch nie im Leben gespielt?

Als Zeuge war nun am Dienstag unter anderem ein Anwalt, der einen Teil der Verträge betreffend des Pfandrechts ausgefertigt hatte, geladen: Er gab an, dass ihm gesagt wurde, mit diesen Verträgen sollten offene Schulden beglichen werden; der Landwirt habe seinerseits die Liegenschaften über Versteigerungen bekommen, so der Zeuge. Dann kam auch der Verkauf der Bordellbetreiber-Firma zur Sprache, die das Opfer zu weit überhöhtem Preis erstanden haben soll. „Er hat gedacht, er hat alles gekauft, auch das Haus“, betonte der Anwalt des Landwirts. „Nein, es war klar, dass er nur Mieter ist“, entgegnete der Zeuge.

Das Geld soll der angeblich Betrogene nicht nur im Bordell verprasst, sondern auch verspielt haben. „Er hat gesagt, dass er spielsüchtig ist und daher Schulden hat“, erzählte der Zeuge. Vor Gericht habe er gesagt, dass er „sein ganzes Leben nie gespielt hat“, warf die Richterin ein.

„Geheimprojekt im Zusammenhang mit Magna“

Die ganze Geschichte soll eigentlich eine ganz andere Dimension haben, ließen die Anwälte durchklingen. „Hat er Ihnen je über ein Großgewerbeprojekt erzählt“, wurde der Rechtsanwalt gefragt. „Einmal hat er etwas über ein Geheimprojekt in Zusammenhang mit Magna erzählt“, antwortete der Zeuge, der aber nichts Näheres wusste. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.