Notarztwagen
Rotes Kreuz Mariazellerland/Leodolter B.
Rotes Kreuz Mariazellerland/Leodolter B.
GESUNDHEIT

Land verteidigt neues Notarztmodell

Die geplante Neuausrichtung der Notarztmodells in der Steiermark sorgt auch beim Kongress für Notfallmedizin in Graz für Diskussionsstoff. Kritik kommt von den Ärzten – das Land verteidigt das neue Modell und verspricht Sicherheit bei der Versorgung.

Rund 1.000 Teilnehmer werden bis Samstag am Kongress für Notfallmedizin in Graz erwartet. Neben vielen fachlichen Zukunftsthemen sorgt vor allem das geplante Notarzt-Modell in der Steiermark für Diskussionsstoff.

Derzeit sind die meisten Notärzte an einer Klinik beschäftigt und im Rahmen ihrer Anstellung auch als Notarzt unterwegs. Aber seit der Änderung des Arbeitszeitgesetzes vergangenen Sommer könne ein Arzt nur mehr drei bis vier Nachtdienste pro Monat übernehmen – für den Notarztdienst bleibe da keine Zeit mehr, heißt es.

„Kaum Kollegen, die sich bereit erklären“

27.000 Notarzteinsätze gibt es inzwischen jedes Jahr in der Steiermark – Tendenz steigend. Jeder dritte Einsatz wird storniert, bei jeder zweiten Fahrt wird der Notarzt gar nicht benötigt, und das alles häufig nachts. Schon jetzt könnten nicht immer alle Notarztdienste besetzt werden.

Kärnten und Niederösterreich würden vorzeigen, dass das geplante neue Modell nicht funktioniere, sagt Mediziner Gerhard Prause von der Arbeitsgemeinschaft der Notfallmediziner: „Das sind genau jene Bundesländer, wo es fast keine Notärzte mehr gibt. Es gibt kaum Kollegen, die sich dafür bereit erklären, und durch das fehlende Qualitätsmanagement, das dann nicht mehr vorhanden ist, haben wir wirklich Bedenken, dass die Versorgung dann noch adäquat erfolgen kann.“

Fraglich, wie viele Ärzte mitmachen

Bei aktuell 48 Wochenstunden für einen Klinikarzt hätten die Notfalldienste kaum noch Platz – deshalb soll das gesamte System in eine Landesgesellschaft ausgegliedert werden, erklärte Prause kritisch: „Der Aufhänger ist das Arbeitszeitgesetz, damit die Ärzte das dann in ihrer Freizeit machen können – und ob sie das machen werden, ist halt die große Frage. Ich glaube, dass 20 bis 30 Prozent das nicht machen werden.“

Künftig sollen Notärzte über das Land auf Honorarbasis zusätzlich zum Klinikjob arbeiten. Trotzdem würden viele offene rechtliche Fragen schwerer wiegen als das stattliche Honorar, das künftig für die Notarztdienste geboten wird, ist Prause überzeugt.

Land: Neues System schafft größere Flexibilität

Das neue System bringe keine Verschlechterung, sondern schaffe mehr Flexibilität und damit auch Versorgungssicherheit, heißt es wiederum vom Land. Rund 400 Notärzte gibt es derzeit in der Steiermark, aufgeteilt auf etwa 20 Stützpunkte. 100 davon arbeiten auf freiberuflicher Basis, und diese Gruppe soll durch das neue System wachsen.

Dass die freiberufliche Tätigkeit aber wie kritisiert bis zu jeden dritten Notarzt vertreiben könnte, glaubt der Koordinator für Notfallmedizin beim Land, Klaus Pessenbacher, nicht: „Ich teile die Befürchtungen nicht in diesem Ausmaß. Es wird, wie es bei der Umstellung von Systemen üblich ist, zu Verschiebungen kommen. Unsere Hoffnung ist, dass wir zusätzliche Ärzte ins System einbinden können, die sich auch im Krankenhaus mit Akutmedizin beschäftigen.“

Anreiz für eine freiberuflichen Notarzt-Tätigkeit zusätzlich zum Spitalsjob soll nicht nur das Honorar auf Stundenbasis sein – auch will man den Ärzten künftig die Möglichkeit geben, in mehreren Regionen tätig zu sein. Bisher sind sie über ihren Dienstvertrag an den Spitalsstandort gebunden, erklärt Pessenbacher: „Selbst wenn die persönliche Bereitschaft besteht, ist es derzeit nur ganz schwer möglich, dass vom Stützpunkt A Notärzte am Stützpunkt B aushelfen, solange das der gleiche Arbeitgeber ist. Wir hoffen nun, dass wir hier eine Flexibilität erreichen.“

Ärztemangel-Lücken sollen geschlossen werden

Damit soll auch die Versorgung durch Notärzte in der Steiermark gesichert werden: „Das Land hat dadurch die Vorteile, dass die Lücken, die sich in Zukunft auftun werden – auf Grund des bestehenden und weiter zunehmenden Ärztemangels –, dass diese Lücken zu füllen sind.“ Ziel des Landes ist es, das System ab Juni fließend umzustellen.