Gericht

Geldwäsche-Prozess: Weitere Zeugen nötig

Im Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Geldwäsche-Prozess gegen einen Unternehmer fortgesetzt worden. Der 63-Jährige stellt sich weiterhin als Opfer hin, nun sollen weitere Zeugen befragt werden. Ein Urteil dürfte es erst Mitte Mai geben.

Der Prozess gegen den 63-Jährigen läuft bereits seit Ende Februar: Er soll als Eigentümer und Geschäftsführer ein Unternehmen geleitet haben, das im Internet mit dem Verkauf von Firmen und dazugehörigen Bankkonten beschäftigt war. Ihm wird Beteiligung an gewerbsmäßig schwerem Betrug, Geldwäscherei und an einer kriminellen Organisation vorgeworfen – mehr dazu in 56 Mio. Euro Schaden: Geldwäscheprozess in Graz (28.2.2022).

Fortsetzung mit Zeugenbefragungen

Konkret geht in dem Prozess um das international bekannte Betrugsphänomen „CEO-Fraud“: Dabei bekommt der Finanzverantwortliche einer Firma ein Mail, das anscheinend vom Chef persönlich stammt und in dem um strenge Geheimhaltung ersucht wird – es gehe um eine angebliche Firmenübernahme, über die Stillschweigen bewahrt werden muss. Der Mitarbeiter erhält in der Folge den Auftrag, Geld für den Unternehmensankauf zu überweisen.

Die Spur reicht bis nach China, wo ebenfalls Firmen gegründet worden sein sollen – der Fall landete letztlich aber in Graz, weil sich die ersten geschädigten Firmen in der Ost- und Obersteiermark befinden. Bei einer Firma in Oberösterreich blieb es beim Versuch – entsprechende Zeugen zu diesem Fall wurden bereits Anfang März befragt – mehr dazu in Geldwäsche-Prozess mit Zeugen fortgesetzt (8.3.2022). Am Dienstag wurde der Prozess mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt.

Angeklagter schiebt Schuld auf Mitarbeiterin

Der Angeklagte, der bereits seit drei Jahren in Untersuchungshaft sitzt, fühlt sich nach wie vor nicht schuldig. Nachdem am Dienstag weitere Zeugen gehört worden waren, meinte der 63-Jährige nur: „Die Antworten haben bei mir zu dem Schluss geführt, dass der CEO-Fraud nicht an erster Stelle steht.“

Er finde es merkwürdig, dass eine der Buchhalterinnen der betrogenen Unternehmen „an neun verschiedene Firmen überwiesen hat“, ohne diese zu kennen: „Ich hatte den Eindruck, dass sie einfach wie ein Roboter funktioniert“, meinte er. „Sie hätte jedem, den sie nicht kannte, Geld überwiesen“, versuchte er der Frau eine Mitschuld zuzuschieben. „Ja, aber nur, weil der Chef es befohlen hatte. Das war ja der Schmäh mit der geheimen Firmenübernahme, der reingegangen ist“, warf die Richterin ein.

63-Jähriger stellt sich als Opfer hin

„Ich war mir nicht bewusst, dass hier eine Betrugsmasche abläuft“, stellte sich der 63-Jährige am Dienstag erneut als Opfer hin. Er bestritt außerdem, mit chinesischen Firmen etwas zu tun zu haben: „Ich habe in China nie Firmen oder Konten gehabt, dazu wäre die chinesische Staatsbürgerschaft nötig“, gab er an. Der Prozess wird nun weiter fortgesetzt, ein Urteil dürfte es erst Mitte Mai geben.