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Wirtschaft

Höhere Zinsen: Teurere Investitionen, gut für Sparer

Um die momentane Rekordinflation zu stoppen, wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erhöhen. Investitionen und Wohnkredite werden so teurer, allerdings wird damit auch Sparen wieder attraktiver.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will angesichts der hohen Teuerung ihre lockere Geldpolitik beenden: Vorerst bleibt der Leitzins unverändert, im Juli wird er aber – erstmals seit elf Jahren – um 0,25 Punkte angehoben, zudem beendet die EZB die Anleihekäufe. Der Druck auf die EZB war zuvor gewachsen, ein Gegensteuern wurde unausweichlich – mehr dazu in EZB will im Juli Leitzins erhöhen (news.ORF.at).

Inflation sollte wieder sinken

Durch den steigenden Leitzins werden Schulden zwar teurer, aber sparen wird wieder attraktiver, sagt Christian Jauk, Vorstandsvorsitzender der GRAWE Bankengruppe: „Zinserhöhungen haben den volkswirtschaftlichen Effekt, dass dadurch wieder mehr gespart wird, das heißt, es wird weniger investiert. Und jene, die investieren – beispielsweise in Immobilien, aber auch Firmen bei Investitionsentscheidungen –, sind dann konfrontiert mit höheren Zinsen. Das dämpft im Grunde genommen die Konjunktur und auch die Nachfrage. Damit sollte sich auch die Inflation in den nächsten Jahren wieder zurückentwickeln.“

Durch die Zinserhöhung wird also die gesamtwirtschaftliche Nachfrage geringer, sagt auch der Wirtschaftsexperte Michael Steiner, und dadurch sinkt eben die Inflation.

Prinzip Hoffnung: Höhere Zinsen – niedrigere Inflation

Durch die niedrigen Kreditzinsen stand der Wind für die Finanzierung von Immobilien in den letzten Jahren günstig – das ändert sich nun – mehr dazu in Immobilienkredite werden riskanter (news.ORF.at): In Erwartung der Erhöhung des Leitzinses stiegen die Kreditzinsen in den letzten Wochen bereits leicht an.

Betroffen sind Kredite mit einem variablen Zinssatz – das heißt, die monatlichen Kreditraten können steigen, sagt Michael Steiner, aber im gleichen Atemzug soll ja auch die Inflation sinken, „sprich auch irgendwann einmal die Kosten auf Energie, die Kosten auf Konsumartikel, auf Nahrungsmittel, die ja quasi so einmal primär zu greifen beginnen und dass sich dann so quasi die Nettorechnung doch pro Haushalt ausgeht und billiger wird – das ist die Hoffnung.“

Sparen und Altersvorsorge werden attraktiver

Kurz zusammengefasst: Die Investitionen werden teurer, die Investionsnachfrage soll zurück gehen, aber die Lebenshaltungskosten sollen durch die Erhöhung des Leitzinses und der damit verbundenen sinkenden Inflation wieder billiger werden. Außerdem, so Steiner, wird durch die steigenden Zinsen auch das Sparen und damit auch die Altersvorsorge wieder attraktiver, weil man auf Sparbücher und Anlagen wieder einen höheren Zinssatz bekommt.