Prozess nach Wettskandal
APA/ERWIN SCHERIAU
APA/ERWIN SCHERIAU
Gericht

Neun Schuldsprüche im Grazer Wettbetrugsprozess

In Graz sind am Mittwoch neun der zehn Angeklagten im Prozess um einen Fußball-Wettbetrug schuldig gesprochen worden. Die Strafen reichen von Geldbußen bis zu teilbedingter Haft; ein Mann wurde freigesprochen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Der Prozess begann im September 2022: Angeklagt waren anfangs 15 Personen, erschienen sind damals zwölf. Drei wurden relativ rasch erledigt – einer freigesprochen, einer diversionell erledigt, einer erhielt eine Geldstrafe von 3.600 Euro, alles längst rechtskräftig. Verhandelt wurde also einige Tage gegen neun Angeklagte – mehr dazu in Wettbetrugsprozess in Graz um Monate vertagt (13.9.2022).

Noch im September wurde der Prozess dann vertagt. Bei der Fortsetzung am Dienstag waren es plötzlich zehn Beschuldigte: Ein ursprünglich nicht erschienener war wieder aufgetaucht und wurde wieder ins Verfahren eingegliedert – mehr dazu in Fußball-Wettbetrugsprozess fortgesetzt.

Drahtzieher ist untergetaucht

Den nun insgesamt zehn Männern wurde die Manipulation von 19 Fußballspielen im Zeitraum von März 2019 bis September 2021 vorgeworfen, betroffen waren vor allem Spiele der Regionalliga Ost, aber auch Matches der Wiener Liga und des Burgenland Cups. Der Schaden wurde zunächst mit knapp 200.000 Euro beziffert.

Einige der Angeklagten hatten sich bereits im Vorfeld schuldig bekannt: Sie sollen jeweils ein paar hundert Euro pro Spiel für ihre Mitwirkung bekommen haben. Die Gewinne der Manipulierer bzw. der Schaden der Wettanbieter soll aber wesentlich größer gewesen sein. Der eigentliche Drahtzieher ist untergetaucht und konnte nicht befragt werden.

Schadenssumme mehr als verdoppelt

Als Zeuge war am letzten Tag auch ein Ermittler geladen, der seinen Bericht zu den Manipulationen detailliert erörterte. Kompliziert wurde es jeweils bei den Systemwetten, wenn aus einer ganzen Gruppe von Spielen nur einzelne Matches manipuliert wurden – es seien teilweise Quoten falsch berechnet worden, führte der Zeuge aus.

Anschließend modifizierte der Staatsanwalt die Anklage aufgrund seiner neuen Berechnungen, die großteils auf den Zahlen des Zeugen beruhten – nach ursprünglich 200.000 Euro war es dann ein Schaden von rund 470.000 Euro. Auswirkungen hatte diese Neuberechnung vor allem auf einen Angeklagten, bei dem die ihm angelastete Schadenssumme auf über 300.000 Euro stieg. Dadurch erweiterte sich auch der Strafrahmen auf bis zu zehn Jahre.

„Es heißt nicht umsonst Wettmafia“

„Das ist ein Fall von umfassender organisierter Kriminalität. Es heißt nicht umsonst Wettmafia“, betonte der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer. „Die Zahlen sind keine Märchen, das sind reale Wetten, die gesetzt wurden, um die Wettanbieter zu betrügen“, führte der Ankläger aus.

Es ist „wie in der organisierten Kriminalität immer schwierig. Wir haben keine belastenden Videos, keine Verträge, selten Aussagen unbeteiligter Zeugen“. Wenn in derselben Sekunde Dutzende gleiche Wetten gesetzt werden, „muss ich kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass die Wetten manipuliert sind“, meinte der Staatsanwalt abschließend.

Urteile nicht rechtskräftig

Der Schöffensenat befand nach mehrstündiger Beratung, dass neun der zehn Angeklagten schuldig seien; einer der Männer wurde freigesprochen. Während die geringste verhängte Strafe 4.000 Euro betrug, wurde einer der Beschuldigten zu 24 Monaten teilbedingter Haft verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.