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Gesundheit

Internetsucht: Ansturm auf Therapie

Ein Drittel der steirischen Schülerinnen und Schüler ist laut einer Studie gefährdet, internetsüchtig zu sein. Entspannung ist nicht in Sicht. In den steirischen Beratungsstellen und im Bereich der Psychotherapie wird derzeit aber ein Ansturm verzeichnet.

Eine Studie des Grazer Sozialforschungsinstituts x-sample unter 3.000 Schülerinnen und Schülern hat ergeben, dass 32 Prozent der Schüler suchtgefährdet sind – mehr dazu in Wie internetsüchtig ist die Steiermark? Zum Teil nimmt die Mediennutzung über das Internet schon exzessive Ausmaße an, weiß auch die steirische Kinder- und Jugendanwältin Denise Schiffrer-Barac.

Dass Instagram, TikTok oder Online-Spiele immer mehr zum Problem werden, habe mehrere Gründe, so Schiffrer-Barac: „Ich glaube, dass einerseits natürlich die nachgewiesenen psychischen, vermehrten Belastungen von Kindern und Jugendlichen hier eine große Rolle spielen, weil Sucht oftmals eine Auswirkung von psychischen Belastungen ist. Andererseits die rasante Weiterentwicklung der Neuen Medien und dazu natürlich noch der Faktor Pandemie, wo viele einfach gezwungenermaßen vor dem Computer gesessen sind.“

Ansturm auf Psychotherapie

Ein erstes typisches Alarmzeichen für das Abdriften in ein Suchtverhalten ist, wenn die Mediennutzung das einzige ist, was noch interessant ist und der Betroffene merkt, den eigenen Konsum nicht mehr steuern zu können, sagt der Grazer Psychotherapeut und Medienpädagoge Lukas Wagner. Er erlebt einen Ansturm in seiner Praxis, vor allem in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen.

Ansatz für eine erfolgreiche Therapie ist immer die Frage, warum das Medienverhalten außer Kontrolle gerät, so Wagner: „Mindestens drei Viertel bei mir in der Praxis haben eine Vorgeschichte und da ist Mediensucht das, woran es sich in der Therapie aufhängt. Im Hintergrund geht es nämlich oft um Gewalt in der Schule, Mobbing, eine Trennung, schwierige Situationen zu Hause. Wenn man sich mit den dahinterliegenden Gründen beschäftigt, wird dann auch die Mediennutzung ganz von selber weniger.“

Regulieren, aber nicht verbieten

Internetsucht könne geheilt beziehungsweise gut kontrolliert werden, sagt Wagner. Laut dem Psychotherapeuten dauert es aber bis dahin im Schnitt ein gutes Jahr. Kinderanwältin Schiffrer-Barac rät Eltern: „Auf der einen Seite erklären, gut im Kontakt mit seinem Kind sein. Andererseits natürlich gewisse Grenzen setzen und je jünger Kinder sind, desto genauer. Darauf zu schauen, dass man Zeiten begrenzt, aber nicht ein generelles Verbot, davon rate ich eher ab. Es ist aber natürlich die Entscheidung jedes einzelnen Elternteils. Und wenn es dann wirklich soweit ist, dass man selber dem Kind nicht helfen kann, dann unbedingt schnellstmöglich professionelle Hilfe suchen.“