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Bildung

Großer Bedarf, aber zu wenige Schulpsychologen

Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) hat am Dienstag eine Kooperation mit der bekannten Hotline „Rat auf Draht“ präsentiert. In der Steiermark begrüßt man diesen Schritt, dennoch gebe es noch immer zu wenig psychosoziale Unterstützung in Bildungseinrichtungen.

Die Beratungsstelle „Rat auf Draht“ übernimmt die Hotline der Schulpsychologie (0800 211 320) des Bildungsministeriums. Dadurch solle das Gratisangebot ausgebaut und künftig rund um die Uhr erreichbar sein, so Polaschek.

„Die Auswirkungen der Pandemie haben uns alle gefordert, vor allem Schülerinnen und Schüler“, so der Minister. „Wir sehen immer mehr, dass diese Zeit ihre Spuren hinterlassen hat.“ Dazu kämen der russische Angriff auf die Ukraine, die Teuerung sowie die Klimakrise. Das führe bei Jugendlichen oft zu Ängsten vor der Zukunft oder Zweifeln – daher habe man die Hotline eingerichtet und auch die Zahl der Schulpsychologen um 20 Prozent erhöht – mehr dazu in Polaschek: Kinderschutz Thema in neuen Lehramtsstudien (news.ORF.at).

Psychosoziale Unterstützung müsse langfristig als normaler Bestandteil in Bildungseinrichtungen seinen Platz finden, erklärt wiederum der Leiter des Schulpsychologieteams in der Bildungsdirektion, Josef Zollneritsch: „Ich bin auch sehr froh darüber, dass hier ein Mehrbedarf erkannt wird. Wir müssen feststellen, dass die Inanspruchnahme von psychosozialen Unterstützungssystemen in den letzten Jahren sehr stark gestiegen ist.“

Für die gesamte Arbeit in den über 800 steirischen Schulen wurde die Zahl der Psychologinnen und Psychologen von 24 auf 28 erhöht – hier sehe man aber noch einen großen personellen Erweiterungsbedarf, so Zollneritsch, besonders in den Oberstufen. „Hier müssen wir feststellen, dass zum Beispiel durch juvenile Depressionen, durch Probleme in der Lebensführung ein Unterstützungsbedarf besteht, und dass die Schulen unbedingt, vor allem auch die höheren Schulen, eine schulpsychologische Unterstützung benötigen.“

Im internationalen Vergleich habe es Österreich verabsäumt, neben Lehrkräften auch ein interdisziplinäres Team aufzustellen: „Ich verweise besonders auf die skandinavischen Länder, wo es schon seit vielen Jahrzehnten Standard ist, dass es so eine Art School-Counselor (einen Schulberater, Anm.) an jeder Schule gibt“, so Zollneritsch.

Berufsschulen werden eigene Psychologen vom Land Steiermark zur Verfügung gestellt. In jedem Fall könne die Übernahme der Hotline der Schulpsychologie durch die Beratungsstelle „Rat auf Draht“ unter der Nummer 147 mehr Hilfesuchende erreichen – das Ziel müsse aber sein, dass an jeder Schule psychologische Betreuung angeboten werden könne.