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Elevate
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KULTUR

Elevate-Jubiläum mit „Western Promises“

In Graz wird am Mittwoch das bereits 20. Elevate Festival, das Festival für elektronische Musik, Kunst und Diskurs, eröffnet. Bis Sonntag geht es dabei unter dem Motto „Western Promises“ um brennende Themen der Gegenwart.

Westliche Werte stehen fünf Tage lang in 45 Veranstaltungen beim Elevate Festival auf dem Prüfstand. Vom Zustand der Demokratie über Klimawandel bis zur künstlichen Intelligenz fächern sich die Themen des Jubiläumsfestivals auf; dazu gibt es auch wieder ein breites Kunst- und Musik-Programm.

Matwijtschuk, Van der Bellen und Brauneis

Eröffnet wird das Festival am Mittwoch im Grazer Orpheum mit einer Rede der ukrainischen Menschenrechtsaktivistin Olexandra Matwijtschuk – mit ihrem Center for Civil Liberties in Kiew hat sie 2022 den Friedensnobelpreis erhalten; auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird eine Eröffnungsrede halten.

Neben den Beiträgen von Matwijtschuk und Van der Bellen wird bei der Eröffnung im Grazer Orpheum auch ein extra für die Festivalausgabe produzierter Film von Filmemacher und Autor Sebastian Brauneis („Die Vermieterin“) gezeigt.

Brauneis ist auf dem diesjährigen Elevate des Weiteren mit der Installation „while“ vertreten, die bis Sonntag im Forum Stadtpark zu sehen sein wird: Zentrales Element dieser interdisziplinären Installation ist ein retrospektiv angelegter, visuell-filmischer „Stream of Consciousness“, der sich mit der Vision des Elevate Festivals und dem bisher Erreichten auseinandersetzt.

Themenstränge im Superwahljahr

Danach geht es in einem dreitägigen Diskursprogramm im Heimatsaal des Volkskundemuseums um eine kritische Auseinandersetzung mit westlichen Demokratien, und das bei freiem Eintritt. Das von Elevate-Kuratorin Irina Nalis zusammengestellte Diskursprogramm unter dem Festivalmotto „Western Promises“ orientiert sich an den oft nicht gehaltenen Wahlversprechen politischer Parteien und dem medial proklamierten „Superwahljahr“ in Österreich.

In den im Rahmen des Elevate gebotenen Diskursen und Podiumsdiskussionen sollen an drei nach Themen gegliederten Tagen unangenehme, aber weiterführende Fragen zu Demokratie und deren Bedrohung von außen und innen, politischer Teilhabe sowie Zwangseffekten der Sozialen Netzwerke aufgeworfen werden. Einige der international zusammengebrachten Rednerinnen und Redner sind der britische Transformationsforscher Sir Geoff Mulgan, Wiener Festwochen-Intendant Milo Rau, Umweltaktivistin Halliki Kreinin und Extremismusforscherin Julia Ebner.

„Wir werden uns heuer – auch in Hinblick auf das Superwahljahr 2024 – mit unterschiedlichen Herausforderungen, denen sich Demokratien weltweit stellen müssen, beschäftigen. Und das wird auf unterschiedliche Themenstränge heruntergebrochen: Digitalisierung, Journalismus, Aktivismus und unterschiedlichste geopolitische Zugänge“, so Festivalleiter Bernhard Steirer.

Aufzugmusik

Der Schloßberglift bekommt mit vier 40-Sekunden-Beiträgen des österreichischen Komponisten und Musikproduzenten Dorian Concept eine neue „Elevator Music“. Das seit einigen Jahren erfolgreiche und auch mit Topbeiträgen (Brian Eno, Jimi Tenor) ausgestattete Projekt einer künstlerisch genutzten Aufzugsmusik geht heuer übrigens in den Export: In Mailand soll der 108 Meter hohe Aussichtsturm Torre Branca eine exklusive „Elevator Music“ nach Grazer Vorbild bekommen, in Lyon der Aufzug im Kulturzentrum „Le Sucre“ – einer ehemaligen Zuckerfabrik.

Musik, Mausoleum und Kasematten

Darüber hinaus gibt es wieder ein breit aufgestelltes Programm elektronischer Musik mit internationalen wie heimischen DJs und Acts, mit dem Mausoleum des Grazer Doms gibt es heuer auch einen ganz besonderen Veranstaltungsort: Dort sollen unter anderem die tschechische Experimentalmusikerin Petra Hermanova und die französische Synthesizer-Ikone Colleen dem Elevate-Publikum einheizen. Spannend dürfte auch der dreistündige Musikmarathon mit dem Titel „This Blur“ von Muscle Tomcat Machine im Orpheum Extra werden. Als Gäste mitmusizieren unter anderem Maja Osojnik, Martin Plass und Wolf Lehmann.

Weit über die Landesgrenzen

Es ist die Mischung aus Diskussionen mit führenden Wissenschaftlern zu den brennenden Fragen der Gegenwart und elektronischer Musik am Puls der Zeit, die das Elevate Festival in den 20 Jahren seines Bestehens zu einem weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommenen Festival gemacht hat. Das spiegelt sich auch am Publikum: Ein Drittel der Gäste kommt aus dem Ausland.