Depression, Krankheit, Psychotherapie, Trauer, Leid
ORF
ORF
Chronik

Neue Gewaltschutz-Maßnahmen präsentiert

Im vergangenen Jahr sind knapp die Hälfte aller Morde an Frauen in Österreich in der Steiermark verübt worden. Um Gewalt in Beziehungen früh genug abzufangen, hat das Land Steiermark am Donnerstag neue niederschwellige Maßnahmen präsentiert.

Gewalt an Frauen im Speziellen und Beziehungsgewalt im Allgemeinen können viele Gesichter haben. Nur auf die Zahl der Femizide – also Frauenmorde – zu achten, reiche nicht aus, um das Problem zu beschreiben, sagt Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ): „Wir finden uns nicht mehr damit ab, dass jede fünfte Frau in der Steiermark und in ganz Österreich von Gewalt betroffen ist. Das ist furchtbar. Das ist eine Zahl, wo man wirklich etwas dagegen tun muss.“

Gemeinsam mit Frauenlandesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) wurde nun ein breites Maßnahmenpaket zum Thema Gewaltschutz präsentiert: „Denn wenn einmal etwas passiert, dann ist es zu spät.“ Bei den Maßnahmen gehe es in zwei Richtungen: „Wie können wir Frauen besser vor Gewalt schützen und wie können wir Männer davor bewahren, zu Tätern zu werden?“, so Schmiedtbauer.

Gegen Pauschalverurteilung von Männern

Michael Kurzmann von der Männerberatung warnt dabei vor einer Pauschalverurteilung „der gewalttätigen Männer“: „Ja, es braucht Schutzunterstützung für betroffene Frauen. Für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Aber es braucht auch Veränderungsangebote für Männer, die Gewalt ausüben! Wichtig ist zu sagen, dass die meiste Gewalt von Männern ausgeht, heißt nicht, dass die meisten Männer gewalttätig sind.“ Es brauche aber eine explizite Ansprache von Männern.

Das Hilfetelefon steht ab April unter der Nummer 0800 20 44 22 zur Verfügung.

Hotline soll als Drehscheibe dienen

Das neu geschaffene „Hilfetelefon bei Beziehungsgewalt“ soll das niederschwellige Angebot schaffen, so Michaela Gosch, Geschäftsführerin der Frauenhäuser Steiermark: „Wir bieten Hilfe bei Beziehungskrisen, Beziehungsproblemen und Beziehungsgewalt an, aber wir wollen das eben so aufsetzen, dass man sich dort Hilfe holen kann, ohne dass man sich schon selbst zugeben muss, ich bin von Gewalt betroffen.“

Die neue Hotline soll ab April für Frauen und Männer angeboten werden und als Drehscheibe für alle weiteren Hilfsangebote dienen. Ab Juni stehen steiermarkweit auch 13 neue Übergangswohnungen für Frauen und Kinder in Krisensituationen zur Verfügung.

Krisenwohnungen geplant

Für Frauen und Kinder, die aufgrund von häuslicher Gewalt bereits in einem Frauenhaus oder einer Krisenwohnung untergebracht waren, wird die Unterstützung durch gewaltsicheren Wohnraum mit sogenannten Übergangswohnungen und weiterlaufender Beratung ausgebaut. Zu den bisherigen acht Wohnungen sind 13 weitere geplant – von unter anderem Bärnbach und Deutschlandsberg bis Mureck, wie Kampus berichtet. Basierend auf einer 15a-Vereinbarung mit dem Bund stehen dafür für vier Jahre insgesamt 1,68 Millionen Euro zur Verfügung.