Pfleger bei Patienten
APA/HANS KLAUS TECHT
APA/HANS KLAUS TECHT
Soziales

Pflege: Zwischen Personalnot und Erfüllung

Das Thema Pflege entwickelt sich seit Jahren zu einem der größten Problemfelder unserer Gesellschaft. Grund sind derzeit vor allem der Personalmangel und die Spezialisierungen im Gesundheitsbereich. Die KAGes setzt in der Not auf internationale Pflegekräfte.

9.300 Pflegekräfte sind derzeit in der Steirischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes beschäftigt. Man sei intensiv in einem Prozess des Wandels, sagt die Direktorin für Pflege in der KAGes, Eveline Brandstätter. Vielen Pensionierungen in diesem Bereich stünden weniger junge Menschen gegenüber.

Es sind die mobilen und stationären Pflegerinnen und Pfleger, die eine wesentliche Säule im steirischen Gesundheitssystem sind. Der Personalmangel wiegt schwer, obwohl der Beruf selbst eine große Bereicherung sein kann – darüber spricht ORF Steiermark-Chefredakteur Wolfgang Schaller anlässlich des „Tages der Pflege“ mit KAGes-Pflegedirektorin Eveline Brandstätter.

210 Dienstposten unbesetzt

Auch wenn sich die Personalsituation zuletzt deutlich verbessert habe, könnten momentan 210 Dienstposten nicht besetzt werden, so Brandstätter. Mit diesem Problem kämpfe man nicht nur in der Steiermark, sondern in den meisten westeuropäischen Ländern.

Hilfe aus Kolumbien und Tunesien

Deshalb suche man auch außerhalb Europas nach neuen Mitarbeiterinnen. Unter dem Stichwort „Internationales Recruiting“ sind derzeit bereits 17 Pflegekräfte aus Kolumbien und 13 aus Tunesien in der Steiermark im Einsatz. 54 weitere Damen und Herren aus diesen Ländern sollen noch heuer im Laufe des Jahres folgen.

Das Projekt sei sehr gut angelaufen, freut sich Eveline Brandstätter. Allerdings gebe es noch einige Hürden, gibt die KAGes-Pflegedirektorin offen zu, und die seien vor allem sprachlicher Natur: „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind extrem gut ausgebildet, aber ein kleines Manko ist die Sprache; das Niveau passt nicht immer. Wenn man bei uns mit einer Visite mitgeht, dann hört man unterschiedliche Dialekte, und das ist schon sehr, sehr schwierig für die Kolleginnen und Kollegen.“

„Ohne internationale Pflegekräfte wird es nicht gehen“

Als eine Konsequenz aus diesen ersten Erfahrungen geht man nun neue Wege in der KAGes. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Kolumbien und Tunesien starten gleich nach ihrer Ankunft mit einem weiteren Deutsch-Intensivkurs. „Zwei Monate lang wird nur die Sprache gelernt und verstärkt, dass sie gut in Deutsch sind. Wir müssen da weitergehen, ohne internationale Pflegekräfte wird es nicht mehr gehen“, ist Brandstätter überzeugt.

Spezialisierung hemmt Flexibilität

Die Spezialisierung in der Medizin habe dazu geführt, dass man im Bereich der Pflege immer mehr Spezialistinnen und Spezialisten brauche. So könne man heute nicht mehr, wie vor einigen Jahren noch praktiziert, Pflegefachkräfte relativ einfach von einem Bereich im Krankenhaus in einen anderen transferieren, um Personalprobleme zu kompensieren. Trotz all dieser Herausforderungen spricht Brandstätter aber vom Pflegeberuf als einer besonders schönen und sinnstiftenden Aufgabe, bei der man extrem viel Positives bewirken könne.