Thilo-Sarrazin-Auftritt in Graz

Die Bildungsleistung von Migranten mit islamischem Hintergrund sei schlechter; gefragt seien „Zuwanderer, die besser sind als wir“: Das war die Kernaussage des umstrittenen deutschen Autors Thilo Sarrazin, die er Ende September bei einem Vortrag in Graz vertrat.

Sarrazin, einst Vorstand der deutschen Bundesbank, referierte auf Einladung des ÖVP-Bauernbundes vor rund 700 geladenen Gästen zu seinen umstrittenen Thesen. Seit Sarrazin im Vorjahr sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlichte, tritt er nur mit großem Polizeiaufgebot auf - so auch in Graz.

Sarrazin-Auftritt in Graz, Proteste

APA/Markus Leodolter

Proteste gegen den Sarrazin-Auftritt auch in Graz

Von Amon bis Strache

Ungeachtet der Demonstrationen vor der Veranstaltungshalle fanden sich auch viele Politiker zum Vortrag ein. Die ersten Besucherreihen sahen nach schwarz-blauer Koalition aus: Der stellvertretende ÖVP-Klubchef im Nationalrat, Werner Amon, war da, neben ihm FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Ex-ÖVP-Minister Martin Bartenstein, aber auch der Veranstalter, Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch.

Fremdenfeindlichkeit sieht Grillitsch bei Sarrazin nicht: „Ich glaube, man muss ganz einfach über diese Thesen, die Sarrazin aufstellt, diskutieren, ohne dass ich sie jetzt restlos teile.“

Sarrazin-Auftritt in Graz

APA/Markus Leodolter

Thilo Sarrazin in Graz

„Qualifizierte Zuwanderung“

Sarrazin kam auch gleich zur Sache: Die Statistik zeige, dass die Bildungsleistung von Menschen aus islamischen Ländern schlecht sei, sowohl in den Herkunftsländern als auch bei den muslimischen Zuwanderern in Europa. „Ich habe die aus meiner Sicht sehr begründete Vermutung, dass das bei den Migranten aus der Türkei am muslimischen Kulturhintergrund liegt.“

„Hochkulturen innerhalb von Mauern“

Was Sarrazin unter „qualifizierter Zuwanderung“ versteht, beschreibt er so: Muslime, die bereits bei uns leben, müssten besser gebildet werden. Unqualifizierte sollten überhaupt nicht mehr zuwandern dürfen. „Alle Hochkulturen haben innerhalb von Festungsmauern überlebt, China etwa hatte die Chinesische Mauer.“

„Zuwanderer, die besser sind als wir“

Skeptisch ist Sarrazin, wenn er fordert, es sollten nur Menschen zuwandern dürfen, die besser gebildet seien als die heimische Bevölkerung - hoch qualifizierte Zuwanderer aus dem Fernen Osten gingen lieber in die USA: „Ich sehe keine Chance für europäische Staaten, in großem Umfang Einwanderer anzuziehen, die besser sind als das eigene Qualifikationsniveau.“

Der überwiegende Teil der Besucher beklatschte Sarrazins Thesen - und Grillitsch versicherte: „Nein, mir geht es da nicht um Parteipolitik, ganz ehrlich.“