Aufregung um Gabalier-Bundeshymne

Die Aufregung um die von Andreas Gabalier gesungene alte Version der Bundeshymne beim Formel-1-Grand-Prix ist nach wie vor groß. Die Grünen empörten sich über das Vergessen der „Töchter“. Er würde die Hymne wieder so singen, sagt Gabalier.

Die Grünen Frauen Wien verlangten am Dienstag in einem offenen Brief an den Sänger eine Klärung der Causa. Es sei nicht akzeptabel, dass er sich weigerte, die aktuelle Version der Bundeshymne zu singen. Die Grünen wollten vom Steirer wissen, ob ihm die neue Version nicht bekannt sei oder er diese bewusst ignoriert habe.

„Sehe keine Veranlassung, Text anders zu singen“

Gabalier antwortete prompt: „Den Text der österreichischen Bundeshymne lernte ich mit acht Jahren in der Schule im Sachkundeunterricht und ich sehe keine Veranlassung ihn anders zu singen“, erklärte er daraufhin in einer Aussendung. Außerdem glaube er, dass „Österreich ganz andere, viel wichtigere und dringendere Probleme hat, mit welchen sich die Politik beschäftigen und im besten Fall auch lösen sollte“, so Gabalier.

Andreas Gabalier

APA/Hans Klaus Techt

Andreas Gabalier eröffnete das Formel 1-Spektakel in Spielberg mit der Bundeshymne

„Geschichte und Tradition muss man nicht ändern“

Breite Unterstützung erhält Gabalier auch von seinen Fans und auch von vielen anderen in Leserbriefen oder Internetforen. Ein paar Tage nach dem Auftritt sieht der Steirer die Sache nach wie vor entspannt, wie er im ORF Steiermark-Interview sagt: „Wenn man die letzten Tage hernimmt - auf sämtlichen Internetplattformen, in Radiosendern, Zeitungen, Online-Portalen, Fernsehsendern. Man sieht durch die Bank, dass fast 99 Prozent für die alte Version sind, weil sie sagen, das ist ein Stück Geschichte und Tradition und das muss man nicht abändern.“

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„Ich bin der allerletzte Frauenfeind“

Mit diesem Ausmaß der Aufregung hat er aber nicht gerechnet: „Nein, nicht wirklich, weil ich habe mich eigentlich nur auf die Formel 1 gefreut. Das war eine ganz große Ehre, die Bundeshymne in Spielberg singen zu dürfen.“ Der Vorwurf der Ignoranz der Grünen Frauen trifft ihn nicht: „Ich bin auch der allerletzte Frauenfeind, ganz im Gegenteil, jeder, der mich kennt weiß, dass ich auf jeder CD, in jedem zweiten Lied irgendwie die Frauen umjuble, sie verehre und die größte Freude habe, wenn sie zu meinen Konzerten kommen.“

„Ich würde sie wieder gleich singen“

Die Inspiration für sein Beharren auf der alten Hymne hat er sich bei der Skiweltmeisterschaft in Schladming geholt: „Ich habe das in Schladming eigentlich sehr traurig gefunden, dass da bei der Zeile Töchter-Söhne die Masse der Leute im Zielraum ‚Heimat bist du großer Söhne‘ mitgesungen hat. Danach ist es unrund geworden, weil sich die Leute unterhalten haben, das zum Teil belächelt haben im Publikum.“ In diesem Sinne bereut er nichts: „Ich habe sie so gesungen und würde man mich wieder fragen, würde ich sie wieder gleich singen.“

Rauch-Kallat verteidigt Änderung

Die ehemalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP), unter deren Federführung die Hymne geändert wurde, war gemeinsam mit Gabalier in der ZIB 24 zu Gast. Sie verteidigte die Änderungen und meinte zum Volksmusiker: „Ich gehe davon aus, dass Sie wie alle Kinder mit einem Jahr auch noch in die Windeln gemacht haben, und dass Sie das jetzt nicht mehr tun, weil Sie gelernt haben, ihre Schließmuskeln zu beherrschen.“

Rückendeckung von österreichischen Autoren

Rückendeckung erhält Gabalier auch von der Interessengemeinschaft österreichischer Autorinnen und Autoren (IG Autorinnen Autoren). Vorsitzender Gerhard Ruiss argumentiert gegen die Textänderungen - nicht nur bei den „Söhnen“, sondern auch in Bezug auf die dritte Strophe. "Die Änderung der dritten Strophe (‚Einig lass in Jubelchören‘ statt ‚Einig laß in Brüderchören ...‘) stelle nach wie vor einen schwerwiegenden Eingriff in die österreichische Demokratie- und Republikgeschichte dar, der unbedingt durch die Wiederherstellung der alten Fassung korrigiert gehöre.

Der Text von Paula von Preradovic ziele nicht auf die Herstellung der Geschlechtergerechtigkeit, sondern die Wiederherstellung der Republik Österreich ab. „Es soll sich also niemand wundern, wenn aus vielerlei anderen Gründen als aus mangelnder Sensibilität oder Gegnerschaft zur Geschlechterdemokratie in Wort und Bild zahlreiche weitere Gründe existieren, warum die Österreichische Bundeshymne da und dort in ihrer originalen bzw. ursprünglichen maskulinen Form gesungen wird“, meint Ruiss.

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