Eine ungewöhnliche Freundschaft

Die Freundschaft zweier sehr ungleicher Frauen steht im Mittelpunkt von Erika Pluhars neuem Roman „Gegenüber“. Die vielseitige Künstlerin erzählt von Lebensmustern, von Alter und Vergänglichkeit.

"Gegenüber von Erika Pluhar
Residenz-Verlag

Buchtipp:

„Gegenüber“ von Erika Pluhar (ISBN 9783701716746) ist im Residenz-Verlag erschienen und kostet 24 Euro

Henriette Lauber ist 80; sie lebt allein und zurückgezogen in einer kleinen Stadtwohnung. Als sie eines Nachts zusammenbricht, kümmert sich Linda, eine Nachbarin, um sie. Die beiden hatten bisher kaum Kontakt, trafen sich nur hin und wieder im Stiegenhaus, und jetzt steht Linda einfach ungefragt mitten in der Nacht in ihrer Wohnung.

Es soll nicht bei diesem einzigem Kümmern bleiben - schon am nächsten Tag steht Linda wieder bei Henriette in der Wohnung. Die findet das allerdings lästig, will niemanden so nahe an sich heran lassen.

Zwei ungleiche Frauen

Linda ist 37, gelernte Friseurin - „das war nicht so toll“, sagt sie, „drum hab’ ich dann den Helmut Krutisch geheiratet - auch nichts Tolles, aber man lebt“. Sie lässt nicht locker, sie scheint fasziniert von Henriette zu sein - kein Wunder, hatte diese doch ein ein erfülltes Leben als Cutterin beim Film, ist viel gereist, hat viel gesehen.

Parallelen zu Pluhars Leben

Nach und nach lässt Henriette Linda doch in ihr Leben und erfährt auch, dass es einen einzigen Menschen gibt, mit dem sie Kontakt hat: Es ist Maloud, ihr Patensohn aus der West-Sahara, den sie, als er kleines Kind war, bei Dreharbeiten kennengelernt hatte - eine Parallele zu Erika Pluhars eigenem Leben: Ihr Adoptivsohn Ignaz stammt ebenfalls aus der West-Sahara. Er war der Patensohn ihrer Tochter, und Linda ist 37, also so alt, wie Erika Pluhars Tochter Anna war, als sie starb.

Die Freundschaft der beiden ungleichen Frauen lässt beide wachsen - so wird etwa in Henriette wieder Freude am Leben geweckt, sie lässt sich von Linda am Computer einschulen und beginnt ein Drehbuch zu schreiben.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 4.12.2016

Eine Auseinandersetzung mit dem Alter

„Gegenüber“, das bereits 21. Buch der Schauspielerin, Sängerin und Autorin, ist auch eine Auseinandersetzung mit dem Alter. Beispielhaft ist etwa eine Szene, in der sich Henriette nackt in einem Spiegel betrachtet: „War hässlich, was sie da sah? Nicht unbedingt fand sie. (...) Alles in welke Haut gehüllt, nicht unschön, nur eben welk, wie Blumen auf sanfte Weise welk sein können“.

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