„Out of Austria“ und wieder „back“

Es war kompliziert: So könnte man die Beziehung zwischen Arnold Schwarzenegger und seiner steirischen Heimat beschreiben. Doch trotz Höhen und Tiefen ist die „Steirische Eiche“ seinem Heimatland so verbunden wie nie zuvor.

1947, mitten in der Nachkriegszeit, wird in der ländlichen Gemeinde Thal bei Graz wird Arnold Schwarzenegger geboren. Seine Kindheits- und Jugendjahre erscheinen in der Erinnerung in einem milden Licht, ein alles in allem einfaches und schönes Aufwachsen. So beschreibt Schwarzenegger diese Zeit in seiner Autobiografie „Total Recall - My Unbelievably True Life Story“.

„Stell dir vor, du fühlst dich deplatziert“

Doch das Kapitel über die ersten 19 Lebensjahre ist mit „Out of Austria“ übertitelt: So zeigt sich schon hier, dass der junge Schwarzenegger den Drang hatte, aus dem bisher gekannten Leben auszubrechen. Dass die Heimat nur eine Durchgangsstation war, auf der Suche nach einer größeren, glitzernden Welt.

Arnold Schwarzenegger
APA/DPA/ISTVAN BAJZAT
Arnold Schwarzenegger im März 1985 in München vor einem Poster, das ihn als Bodybuilder zeigt

„Stell dir vor, du fühlst dich deplatziert. Es war fast so, als ob meine Mutter eine Beziehung mit einem Amerikaner gehabt hätte. Irgendwie war ich nicht wirklich österreichisch. Ich hatte nicht wirklich das Gefühl, hierher zu gehören“, erzählte Schwarzenegger in einem Interview mit der „Presse am Sonntag“. Er sei beeindruckt gewesen von dem Amerika, das er in Schwarz-Weiß-Dokumentationen gesehen hatte, von den Wolkenkratzern in New York, den großen Autos und sechsspurigen Autobahnen, von Hollywood mit seinen Stars und Millionären.

„Wollte reich und berühmt werden“

„Ich wollte reich und berühmt werden“, sagte Arnold Schwarzenegger. Das Risiko habe er gesucht, nicht das Sicherheitsnetz. „Das ist der amerikanische Weg. Das bin ich“, so Schwarzenegger, das wohl unösterreichischste Österreich-Aushängeschild. Doch so sehr er schließlich im Traumland Amerika angekommen war, blieb die Heimat ein Teil von ihm - und das nicht nur des unnachahmlichen „American Steirisch“ wegen.

Mutter und der steirische Apfelstrudel

Nach dem Tod des älteren Bruders Meinhard bei einem Autounfall 1971 in Kitzbühel und dem von Vater Gustav ein Jahr später, blieb Mutter Aurelia der heimatliche Hauptbezugspunkt: Arnold und seine geliebte „Mutti“ blieben bis zu ihrem Tod im Jahr 1998 innigst verbunden. Der berühmte Sohn kehrte regelmäßig in seine steirische Heimat zurück und besuchte die stolze „Reli“ - und sie verköstigte ihn mit Apfelstrudel.

Schwarzenegger, Elternhaus
APA/WOLFGANG WEHAP
Schwarzeneggers Elternhaus in Thal bei Graz

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 30.7.2017

Zwei oder drei Monate im Jahr wohnte sie in der „Casa Arnold“ in Los Angeles - auch dort sorgte sie für das leibliche Wohl und kümmerte sich um die Enkelkinder. Seinen Neffen Patrick Knapp, Sohn von Meinhard, holte Schwarzenegger mit 19 Jahren in die USA und half ihm finanziell während des Studiums - heute ist Patrick Anwalt und vertritt seinen Onkel und andere Hollywoodstars.

Steirische Freundschaften

Durch zwei weiterer wichtige Menschen in Schwarzeneggers Leben riss die Verbindung auch nach dem Tod von Mutter Aurelia nicht ab: Alfred Gerstl und Josef Krainer jun. - beide sind erst vor kurzem verstorben. Der ehemaliger ÖVP-Bundesratspräsident Gerstl wurde zum Mentor und lebenslangen Freund; in dessen Zuhause in Graz ging bereits der junge Schwarzenegger ein und aus.

Alt-Landeshauptmann Josef Krainer und Arnold Schwarzenegger im Bundesrat.
APA/Hans Techt
Alt-Landeshauptmann Josef Krainer und Arnold Schwarzenegger im Bundesrat im Jahr 1998

Für den früheren ÖVP-Landeshauptmann wiederum wurde Schwarzenegger sogar zum Wahlkampf-Unterstützer, und „der Joschi“ sorgte dafür, dass Arnold, nach Erlangen der amerikanischen Staatsbürgerschaft im Jahr 1983, die österreichische behalten konnte und seitdem als Doppelstaatsbürger firmiert. Auch Bundespräsident Thomas Klestil, einst Generalkonsul in Los Angeles, war ein guter Freund der „Steirischen Eiche“.

Absage an Stadion und Ehrenring

Zum Tiefpunkt der Beziehungen zwischen dem berühmten Sohn und seiner Heimat kam im Jahr 2005 - während Schwarzeneggers Amtszeit als Gouverneur des US-Staates Kalifornien von 2003 bis 2011, und das obwohl Politiker aller Couleurs bei seiner Wahl noch in Jubelstürme ausgebrochen waren.

Hermann Schützenhöfer. Arnold Schwarzenegger und Michael Schickhofer
ORF
Schwarzenegger mit dem steirischen Ehrenring

In Graz wurde die Forderung nach einer Umbenennung des 1997 eröffneten „Arnold Schwarzenegger Stadions“ laut: Schwarzenegger hatte nämlich das Todesstrafen-Gnadengesuchs des Vierfach-Mörders Stanley „Tookey“ Williams, der in der Haft Kinderbücher und Bücher gegen Rassismus verfasste, abgelehnt.

Doch „Arnie“ kam allen zuvor: Er sandte knapp vor Weihnachten 2005 den Ehrenring der Stadt zurück und verbot Graz die Nutzung seines Namens. Erst vor kurzem bekam Schwarzenegger den Ehrenring allerdings erneut überreicht - mehr dazu in Steirischer Ehrenring für Arnold Schwarzenegger (21.6.2017). Für seine Verdienste um die Steiermark in der ganzen Welt wurde er mit dem Internationalen Josef-Krainer-Preis ausgezeichnet - mehr dazu in Arnold Schwarzenegger erhält Josef-Krainer-Preis (24.3.2017).

„Arnie“ is „back“

Seit dem Ende seiner „Governator“-Zeit erblühte die Beziehung Schwarzeneggers zu seiner alten Heimat wieder: Mehrmalige Besuche pro Jahr wurden zu Fixpunkten in seinem Terminkalender - Hahnenkammrennen in Kitzbühel, Urlaub beim Stanglwirt in Going, Besuche in Graz und Thal. Ein wohl wesentlicher Mitgrund für die neu entflammte Liebe: Im Jahr 2011 eröffnete das „Arnold Schwarzenegger Museum“ in seinem Geburtshaus in Thal, ein Monument eines unglaublichen Lebens, liebevoll festgehalten in Erinnerungsstücken.

Vom Steirerbub zum Superstar

Bodybuilding-Ikone, Kino-Held, Gouverneur von Kalifornien, Klimaaktivist und Multiunternehmer: Von Thal aus eroberte Arnold Schwarzenegger die Welt. Die „steirische Eiche“ ist 70 Jahre alt - mehr dazu in Vom Steirerbub zum Superstar.

Links:

Werbung X