„Alter Scheiß“ im Theater im Bahnhof

Das Grazer Theater im Bahnhof (TiB) will auch 2018 den Finger in so manche gesellschaftspolitische Wunde legen - zum Jahresauftakt mit einer stark körperorientierten Performance unter dem Titel „Lass los den alten Scheiß“.

Die aktuelle TiB-Produktion will darauf hinweisen, im neuen Jahr viele Dinge loszulassen, in einer Zeit offener Fragen wie dem scheinbar unendlichen wirtschaftlichen Wachstum bei einer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich oder dem Wiedererstarken des Nationalismus.

Theater im Bahnhof Alter Scheiss
ORF
Der Orakelraum des TiB ist bis 18. Februar geöffnet

Das Orakel soll Klarheit bringen

„Es passiert sehr viel Scheiß im Moment, im politischen Bereich, im gesellschaftlichen Bereich. In vielen Teilen unseres Lebens bemerken wir eine Verschärfung der Verhältnisse zwischen den Menschen - deshalb haben wir uns gedacht, wir müssen einmal eine Arbeit machen, was wir alles gerne über Bord werfen würden“, sagt Schauspielerin Monika Klengel.

Sie taucht mit ihren Kolleginnen Gabriela Hiti, Eva Hofer und Juliette Eröd in eine Zeit der Vor-Antike ein, wo sie gemeinsam das Orakel befragen, erzählt Gabriela Hiti: „Wir wollen wissen, ob wir durch unsere Körper, durch Bewegung ein anderes Denken erzeugen können, einen Raum schaffen können, in dem neues Denken möglich ist.“

Eine Zeit ohne Antworten

Eingefahrene Denkmuster und männlich dominierte Strukturen sollen aufgebrochen werden, ohne schnelle Antworten parat zu haben, so Hiti: „Ich glaube, dass im Moment eine Zeit ist, in der es nicht wirklich Antworten gibt. Ich spüre, dass man sich befreien muss, vom Denken in Schwarz und Weiß, in Frau und Mann. Es wird derzeit ganz schnell zu allem irgendwie, irgendetwas gesagt, geschrieben und gepostet - man muss diesen schnellen Reflex hinterfragen und sich überlegen, was bewirke ich damit, was löse ich aus? Man sollte da ein bisschen zurücktreten, und auch der Scheiß darf sein.“

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 30.1.2018

Die vier Akteurinnen tanzen, singen, wechseln die Kostüme von der Burka über Schlangenkostüm bis zu splitternackt, sie spüren ihrem Körper und ihren Gefühlen nach, unterbrochen von Solo-Texten etwa zu Ute Bock oder zum neuen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ). Entstanden ist das Stück aus einem Solo von Robert Steijn, auf das die Schauspielerinnen augenzwinkernd den weiblichen Blick legen.

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