Die Neue Galerie fragt: „Wer bist du?“

Wer bist du? Diese Frage stellt eine großartig bestückte Schau in der Neuen Galerie im Universalmuseum Joanneum, in deren Zentrum das Porträt vom 19. Jahrhundert bis ins Heute steht.

Sendungshinweis:

„Steiermark heute“, 25.5.2017

Kaiser, König, Edelmann - sie alle verewigten sich in opulenten Porträts. Posierend in voller Pracht und reich behängt, sei es mit Orden im Falle Kaiser Franz Josefs oder mit Geschmeide wie bei Kaiserin Elisabeth: „Der Kaiser, der nicht persönlich anwesend war, war vertreten durch sein Bild, und dieses Bild ist im öffentlichen Raum zur Verehrung gehängt, und natürlich, damit die Leute wussten, sie leben in diesem Staat, haben diesen Kaiser, der hoffentlich ein guter Kaiser war und ihnen auch Schutz geboten hat“, sagt Co-Kuratorin Gudrun Danzer.

"Wer bist du?"
UMJ/N. Lackner

Lenin und die Kaiser

Einen Blick auf das Adelsgepräng wirft in der Zusammenschau der rote Lenin - ein Siebdruck von Andi Warhol: „Wir wollten Brücken schlagen zu dem, was uns die alten Bilder sagen und zu dem, was die neuen Bilder vermitteln können. Wenn wir jetzt Lenin hier bei den Kaisern sehen, fragen wir uns, was haben die gemeinsam, was ist so ganz anders“, so Danzer.

"Wer bist du?"
UMJ/N. Lackner

Dem Prunk der Kaiserzeit setzte Erzherzog Johann die Krachlederne entgegen, und, so Danzer, „wir können ja sagen, ‚unser‘ Erzherzog Johann ist auch der Schöpfer des Steireranzuges gewesen“.

"Wer bist du?"
UMJ/N. Lackner

Eine Frau ohne Dirndlkleid sei nackt, hieß es damals, und auch das Bürgertum stellte sein Idyll zur Schau: Herausgeputzte Kinder, stolz posierende Herren, verträumt blickende junge Frauen im duftigen Kleid - Porträts, die sich Ärmere nicht leisten konnten bis zu den ersten Wachsbildnissen als Vorläufer der Fotografie.

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs löste sich auch das Bildnis auf, schnell und radikal zugleich, wie Co-Kurator Günter Holler-Schuster sagt: „Es beginnt der medialisierte Blick auf den Körper, auf das Menschenbild, das Bild des Menschen wird immer interessanter bzw. bestimmender. Ich zerstöre mit dem Zerstören eines Bildes in gewisser Weise auch den Menschen, dieser gedankliche Schritt ist ja immer noch vorhanden, und natürlich setzt mit der Kritik an den Medien auch die Kritik allgemein ein.“

Von Andy Warhol bis Roy Lichtenstein

Das gilt etwa auch für Andy Warhol: Seine Werke von Marilyn Monroe bis zur Reihe „Ladies and Gentlemen“ sind ein zentraler Teil der Schau, gepaart mit Roy Lichtenstein, Alex Katz oder Tonny Cragg - alle aus der Schenkung Suschnigg und erstmals zu sehen.

"Wer bist du?"
UMJ/N. Lackner

Von Lassnig bis Pistoletto

Das „Who is Who“ der in der Sammlung der Neuen Galerie vereinten Künstler lässt sich fortsetzen: Lassnig, Maly, Kogelnik, Rainer, Weibel, Wilson, Waldorf, Oberhuber, Moswitzer oder auch Pistoletto; mit dabei ist auch eine beeindruckende Zeichenserie von Alois Krenn und die Pucharbeiter-Porträts von Josef Schützenhöfer. Dazwischen finden sich Porträts von Politikern - von Josef Krainer Senior und junior über Waltraud Klasnic bis zu Alfref Stingl.

400 Porträts, die vom Wandel erzählen

Vom Politiker bis zum Pucharbeiter erzählen gut 400 Porträts auch vom gesellschaftlichen Wandel und, so Holler-Schuster: „Wir spielen jeden Tag mehrere Rollen - im Beruf, im Privaten, am Abend, in der Früh, etc. ganz selbstverständlich, ohne das man das jetzt irgendwie besonders sieht, machen wir das dauernd - nicht umsonst ist die Porträtkunst eine, die der Lebensrealität am nächsten steht. Wir sind auch ohne Kunst bemüht, ein Bild von uns zu erzeugen, und das schon seit jeher - das war ein Privileg und ist es heute nicht mehr: Heute ist durch die Selfiefotografie Produzent und Dargestellter in Personalunion vorhanden.“

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