„Schöner Mist“ im Grazer Sozialamt

Müll, soweit das Auge reicht - über Jahre und Kontinente hinweg dokumentierten zwölf Kunstschaffende die Spuren, die wir auf der Erde hinterlassen: „Schöner Mist“ nennt sich die Schau in der Galerie des Grazer Sozialamts.

Für Interessierte:

Bis 28. April ist „Schöner Mist“ von Montag bis Freitag zwischen 9.00 und 17.00 Uhr in der Galerie „Zwischenbilder“ im Grazer Sozialamt, Schmiedgasse 26, 1. Stock, zu sehen.

So schön kann Müll sein, könnte man fast sagen: Von Fotokunst über Videos und Zeichnungen bis hin zur Objektkunst reicht die Bandbreite der Ausstellung „Schöner Mist“.

Fußabdrücke, die wir hinterlassen

Künstlerin Ruth Ledersteger etwa hat unter dem Titel „Footsteps“ Badeschlapfen aus Plastik fotografiert: „Man kommt an die schönsten Strände fernab von allem - und alles, was man sieht, ist Mist. Schon vor Jahren habe ich angefangen, einzelne Badeschlapfen zu fotografieren. Man findet ja auch immer nur einen - und das war Ausgangspunkt für den Titel ‚Footsteps‘, dass der Mensch - obwohl er nie dort gewesen ist - etwas zurücklässt. Das ist bedenklich. Andererseits war es fast ästhetisch.“

"Schöner Mist"
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„Footsteps“ von Ruth Ledersteger

Eva Ursprung ergänzt: „Man merkt: Wenn viele Verkaufsstände da sind, hat man Ansammlungen von den Dingen, die von diesen Ständen kommen: Der Sand ist plötzlich übersät mit Plastikbesteck.“

"Schöner Mist"
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„Garbage Patches“ von Eva Ursprung

Den über Jahre auf Stränden gesammelten Plastikmüll lässt sie nun in Aquarien schwimmen, „wo ich dann die verschiedenen Müllsorten in verschiedenen Ländern vergleichen kann. Das Ganze bezieht sich auf den North Atlantic Garbage Patch oder den Pacific Garbage Patch. Das sind diese Müllkontinente, die inzwischen in den Meeren aus Plastik entstanden sind“.

Sendungshinweis:

„Steiermark heute“, 5.3.2018

„Eine Art Ästhetik, die kratzt“

Ulrike Rauchs Bilder lassen erst auf den zweiten Blick den Mist erkennen: „Ich habe hier Altöl, Plastikflaschen, Stanniolpapier - und versucht, das auf fast kindlich naive, liebe, ästhetische Art darzustellen“ - ein künstlerischer Balancakt zwischen Ernüchterung und Ästhetik: „Eine Art Ästhetik, die kratzt“, fasst Ruth Ledersteger zusammen.

"Schöner Mist"
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Nicht immer ist Geiz geil

„Geiz ist geil“ ist indes auf einer Fotocollage zu lesen, die ein dürres Rind inmitten von leeren Alu-Dosen zeigt. Zwei afrikanische Kinder schauen daneben durch den Rahmen eines kaputten Fernsehgeräts - darunter steht: „Schrottprämie kassieren“. Eine Gesellschaftskritik, die betroffen macht.

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