Diagonale: 106 Filme und neues Gesprächsformat

Das Grazer Filmfestival Diagonale hat heuer 106 Filme im Wettbewerb und das neue Gesprächsformat „Diagonale im Dialog“. Eröffnet wird das Festival am 28. März mit „Untitled“ von Michael Glawogger und Monika Willi.

„Untitled“ ist das letzte große Projekt des 2014 verstorbenen Filmemachers Michael Glawogger - posthum realisiert von Willi - und für Kointendant Peter Schernhuber der perfekte Eröffnungsfilm: „Ein wahnsinnig bildgewaltiger Film, ein neugieriger Film, auch ein Kinofilm, der Kino in seiner besten Form feiert und denkt. Hier in Graz wird erstmals die deutsche Fassung zu sehen sein.“

"Untitled"

Filmladen/Lotus-Film

Bei der Eröffnung der 20. Ausgabe der Diagonale in der Grazer List-Halle wird - in Anwesenheit des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen - auch der Große Diagonale Schauspielpreis an Johannes Krisch verliehen - mehr dazu in Diagonale-Schauspielpreis für Johannes Krisch (24.2.2017).

60 Premieren, 37 Uraufführungen

561 Filme wurden heuer eingereicht, 191 ausgewählt, 106 laufen im Wettbewerb - unter den gut 60 Premieren sind 37 Uraufführungen: „Tatsächlich ist es so, dass die Diagonale ein bisschen wie ein Flughafen funktioniert - da gibt es Filme, die kommen von internationalen Festivals hierher nach Graz, und dann gibt es aber auch Filme, die hier in Graz starten“, so Schernhuber, und Kointendant Sebastian Höglinger ergänzt: „Man muss auch noch einmal betonen, dass es irrsinnig viele spannende junge Debütfilme zu entdecken gibt, und das jetzt nicht als so eine Art Nachwuchsförderung, sondern die sind angekommen, und die gibt es zu entdecken.“

Das Intendanten-Duo im Interview mit ORF-Kulturredakteurin Ilse Amenitsch.

Globale Grätzel, internationale Zusammenhänge

Die Themen der Filme könnte man als eine Art Cluster im Festivalprogramm beschreiben, so Höglinger: Der erste Cluster sei u. a. die Erzählung von globalen Grätzeln und internationalen Zusammenhängen. Djordje Cencic etwa wirft in „Unten“ (UA) einen Blick auf seine Kindheitswelten zwischen Linz und Kroatien zwischen den Zeiten. Peter Zachs Doku „Beyond boundaries - Brezmejno“ bewegt sich an den Grenzen von Italien, Österreich, Kroatien und Slowenien. „Diese Filme und auch ‚Untitled‘ bestechen mit Neugier für die Welt und Zufallshaftes“, so Höglinger.

Diagonale 2017

ORF

Die Diagonale 2017 findet vom 28. März bis zum 2. April in Graz statt.

Coming-of-Age-Streifen

Der zweite Cluster besteht aus Coming-of-Age-Streifen wie etwa Monja Arts mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnetes Kinodebüt „Siebzehn“ und „Die Mitte der Welt“, in der Jakob M. Erwa schillernde, laute Farbenbilder für adoleszente Lebenswelten findet. Karin Bergers Doku „O! Fortuna!“ über das Heranwachsen ihrer Tochter beginnt in Super-8-Sequenzen, steht laut den Intendanten „im Kampf mit niemals endenden Wäschebergen und omnipräsenter Pferdehysterie“. Das Genreübergreifen schlägt sich heuer noch stärker nieder.

Gesellschaftspolitisches Engagement

Gesellschaftspolitisch engagiertes Kino findet sich im dritten Konglomerat: Der traditionelle österreichische Film verschreibe sich ja Ansinnen, wie sie der Film „Guardians of the Earth“ von Filip Antoni Malinowski über den UNO-Weltklimagipfel in Paris zeigt. „Das ist etwas, was kaum einzufangen ist, das ist ein dokumentarischer Kraftakt und hochaktuell angesichts der derzeitigen US-Politik“, so der Kointendant.

Außer Konkurrenz startet „Irak-Syrien“ von Matthias Krepp und Angelika Spangel, gestaltet mit der Montage von Handy- und Videoaufnahmen der dortigen Kriege, die dann von Geflüchteten in Österreich kommentiert werden. „Ein Schlag in die Magengrube, eine der größten Überraschungen im Sichtungsprozess, es zeigt, wie wenig man weiß“, hieß es.

Sendungshinweis

„Der Tag in der Steiermark“, 17.3.2017

Analog und Digital

Cluster Nummer vier beschäftige sich mit „Analog und Digital“, Virtual Reality und den Fragen, wie es weitergehe mit dem Film an sich. Dazu zähle auch der Diagonale-Trailer von Antoinette Zwirchmayr, der wie alle Trailer der vergangenen Jahre im Kunsthaus gezeigt werde. In „Diagonale im Dialog“ spricht darüber Filmemacher Virgil Widrich mit Kameramann Christian Berger, dazu gibt es unveröffentlichtes Material aus „Die Nacht der 1.000 Stunden“ zu sehen.

Eine Preview gibt es noch vor US-Kinostart, sagte Höglinger sichtlich stolz, nämlich „The Bad Batch“ der US-Iranerin Ana Lily Amirpour: Der „weibliche Tarantino“ (Höglinger) wird am 1. April auch eine Masterclass für Filmschaffende halten: „Get your own ball rolling - fast and hard“.

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