Vom Steirerbub zum Superstar

Bodybuilding-Ikone, Kino-Held, Gouverneur von Kalifornien, Klimaaktivist und Multiunternehmer: Von Thal aus hat Arnold Schwarzenegger die Welt erobert. Nun ist die „steirische Eiche“ 70 Jahre alt.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 30.7.2017

„Von meiner Ankunft 1968 in Los Angeles gibt es ein Foto: Ich bin 21 Jahre alt, trage eine zerknitterte braune Hose, klobige Schuhe und ein billiges Hemd. Ich habe eine abgewetzte Plastiktüte mit ein paar Sachen in der Hand und warte an der Gepäckausgabe auf meine Sporttasche, in der sich mein restlicher Besitz befindet. Ich sehe aus wie ein Flüchtling, ich kann nur ein paar Sätze Englisch und habe kein Geld - aber auf meinem Gesicht liegt ein breites Grinsen“, schreibt Arnold Schwarzenegger in seiner 2012 erschienen Biografie über seine ersten Minuten in Los Angeles.

„War immer beeindruckt von Größe und Macht“

Als zweiter Sohn von Gustav und Aurelia Schwarzenegger wurde er 1947 in Thal bei Graz geboren. Es ist eine bescheidene, aber wohlbehütete Kindheit. Der Vater verlangt von Arnold und seinem um ein Jahr älteren Bruder Meinhard Disziplin und Ordnung, die Mutter sorgt für die nötige Wärme - mehr dazu in „Out of Austria“ und wieder „back“.

Schon früh zeigt sich seinen eigenen Schilderungen nach: „Normale Menschen sind mit einem einfachen Leben zufrieden. Ich war immer beeindruckt von Größe und Macht.“ So träumt er sich nach Amerika, bewundert im Grazer Kino die Filme seiner Idole - des britischen Bodybuilders Reg Park oder John Wayne.

Arnold Schwarzenegger

APA/DPA/ISTVAN BAJZAT

Arnold Schwarzenegger im März 1985 in München vor einem Poster, das ihn als Bodybuilder zeigt

Doch Schwarzenegger ist kein Mann, der nur träumt - er setzt diese Träume auch um: Zunächst trainiert er in der „Athletik Union Graz“, 1966 geht er nach München, arbeitet im Studio von Local-Hero Albert Busek, dann auch in London beim britischen Bodybuilder und Studiobesitzer Wag Bennett.

Bodybuilding als Ticket nach Amerika

Es ist Bodybuilding-Guru Joe Wieder, der ihn schließlich in die Staaten holt - und ihn ein Jahr lang mit den Champions trainieren lässt. Er bleibt - und wird selbst zum Champ, zum Teil und wesentlichen Motor des vom Muscle Beach in Los Angeles ausgehenden Fitnessbooms. Fünf „Mister Universum“- und sieben „Mister Olympia“-Titel machten ihn zu einer Legende des Bodybuildings.

1980 sagte er dem Sport jedoch endgültig Lebwohl - und legt mit Filmen wie „Terminator“ oder „Total Recall“ eine der kommerziell erfolgreichsten Schauspielkarrieren der Action-Filmgeschichte hin - mehr dazu in Ein Beinahe-Irrtum der Filmgeschichte. Seine Catchphrases wie „I’ll be back“ oder „Hasta la Vista, Baby“ gehen in die Kinogeschichte ein - mehr dazu in 70 Jahre, elf Zitate.

Vom „Terminator“ zum „Governator“

1986 heiratete der Republikaner Maria Shriver, die Nichte John F. Kennedys, eine Journalistin aus demokratischem Politadel. 2003 entschied sich der vierfache Vater von Katherine, Christina, Patrick und Christopher schließlich zu einem ultimativen Karrierewechsel - vom Bodybuilding und der Schauspielerei hinein in die Politik.

In einer „recall-election“ gegen den amtierenden demokratischen Amtsinhaber kandidierte der damals 56-Jährige um den Gouverneursposten im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien, gewann und wurde 2006 wiedergewählt - mehr dazu in Terminator, Governator und Klimaretter.

„Weitermachen bis zum letzten Atemzug“

Nach Klimapolitik-Erfolgen und Budgetkrisen begann für Schwarzenegger mit Ende seiner Amtszeit im Jahr 2011 eine turbulente Lebensphase: Wegen eines lange verschwiegenen unehelichen Kindes mit Haushälterin Mildred Baena scheiterte seine Ehe mit Maria - verheiratet sind sie aber bis heute.

Arnold Schwarzenegger im Interview

Zu seinem 70. Geburtstag gab Arnold Schwarzenegger Günther Ziesel eines seiner seltenen Interviews zur aktuellen Politik.

Und bis heute und wohl auch morgen und übermorgen jettet er weiter um die Welt - und kommt dabei immer wieder zurück in die Steiermark, wo er nach dem Josef-Krainer-Preis zuletzt im Juni auch mit dem steirischen Ehrenring ausgezeichnet wurde.

Arnold Schwarzenegger

Erwin Scheriau

Arnold Schwarzenegger bei seiner Ehrung mit Josef-Krainer-Preis im März 2017

Unabhängig von Beliebtheitswerten und abseits des Scheinwerferlichts baute sich Arnold Schwarzenegger über die Jahre hinweg sein eigenes Wirtschaftsimperium auf, ohne dabei auf soziale Brennpunkte zu vergessen - mehr dazu in Unternehmer und Philanthrop.

Thal hat gefeiert

In seinem Geburtshaus in Thal bei Graz ließen Wegbegleiter, Freunde und Fans Arnold Schwarzenegger hochleben.

Aber ob als Klimaaktivist, Schauspieler oder Unternehmer - er bleibt weiterhin getreu seinem Motto „stay hungry“ stets hungrig. An Ruhestand ist da nicht zu denken: „Ich wüsste doch gar nicht, was ich sonst machen sollte. Also werde ich weitermachen bis zum letzten Atemzug.“

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