Schauspielhaus serviert bittere „Götterspeise“

Süß klingenden wie bitter schmeckenden Stoff bringt das Grazer Schauspielhaus auf die Bühne: Hier feiert das tragikomische Stück „Götterspeise“ des US-Dramatikers Noah Haidle seine österreichische Erstaufführung.

Mit seinen Drehbüchern feierte Haidle bereits in Hollywood Erfolge - jetzt erobern seine Theaterstücke die deutschsprachigen Bühnen und machen mit der Geschichte der mitfühlenden und selbst bemitleidenswerten Constant in Graz Station: Als Mitarbeiterin eines Schulbuffets will sie durch ihre feinen Speisen und ihr offenes Ohr das Leben ihrer Mitmenschen eine Spur schöner machen. Ihr eigenes Leben driftet jedoch in die andere Richtung: Constant wird geschwängert, sitzengelassen und gekündigt.

Götterspeise
Lupi Spuma

„Für mich ist sie eine Heldin des Alltags, die mit großer Leidenschaft versucht, nicht nur ihr Leben zu managen, sondern das von anderen besser zu machen. Sie ist aber in ihrer Offenheit und Direktheit schwer zu ertragen für ihre Mitmenschen, weil sie immer schonungslos gegenüber allen die Wahrheit sagt“, so Regisseur Jan Stephan Schmieding.

Radikal zart und brutal direkt

Doch Autor Noah Haidle schafft es, traurige Momente immer wieder humorvoll aufzufangen: „Diese Genremischung finde ich einfach faszinierend - dass er es schafft, mit seinen Texten auf der einen Seite Lachen zu erzeugen - und es trotzdem wagt, die Menschen mit Emotionen, mit Trauer zu konfrontieren“, betont Schmieding.

Theatertipp:

„Götterspeise“ von Noah Haidle: ein radikales, tief berührendes Drama über eine tragische Heldin von Heute. Schwere, aber sehenswerte Kost - zu sehen am Grazer Schauspielhaus.

So verliert Constant - allen Widrigkeiten zum Trotz - nie ihren fast schon missionarischen Glauben, die Welt verbessern zu können: eine radikale Figur, die durch Zartheit bei gleichzeitiger brutaler Offenheit glänzt. Großartig dargestellt wird sie von Julia Gräfner, die Constant in eine Reihe mit antiken Heldinnen stellt, „weil sie sich so gegen andere Menschen, andere Instanzen, Institutionen und ihre Umwelt stellt und in einer bis zum Ende durchreichenden Konsequenz ihren Glauben und ihre Ideen vertritt“.

Das Feuer, das die Sterne leuchten lässt

Schließlich wird ihr auch das Baby weggenommen - in berührenden Worten verabschiedet sie sich von ihrem Kind: „Vergiss nicht, dass du aus demselben Feuer bestehst, das die Sterne leuchten lässt. Und hör nicht auf den Wettermann, sondern schau lieber hoch, streck die Hand aus und begreif es selbst: Sieh das Leben, Sylvia, folge deinen Träumen und begreife, dass das hier nicht real sein muss.“

Götterspeise
Lupi Spuma

Constant landet schließlich in der Psychiatrie - erst hier zeigen die Figuren ihr wahres Gesicht. Davor hat Regisseur Jan Stephan Schmieding die Darsteller in Masken spielen lassen, zeigt sie als Archetypen, die nicht aus ihrer Haut herauskönnen und ganz im Kontrast zu Constant stehen, die schon am Anfang ihre Maske ablegt hat und sich unverstellt zeigt: „Sie nimmt die Konsequenzen ihres Handeln in Kauf - und das macht sie so modern. Das tun viele Menschen nicht“, findet Gräfner.

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 15.3.2019

Ein tragisches Ende

Letztlich ist Constant aber doch zum Scheitern verurteilt - eine Figur, die stets das Wohl der anderen im Auge hat und am Ende doch ein tragisches Schicksal erfährt, so Regisseur Schmieding, „weil sie immer wieder auf Menschen trifft, die sich letzten Endes gegen sie entscheiden. Ihre Direktheit verbietet es den anderen, auf sie zuzugehen. Das ist der Druck, den man im Leben hat, das ist die Konformität, das Gefallenwollen. Und gegen diese Alltäglichkeiten versucht sie anzugehen - doch das zieht sie immer weiter in einen Strudel, der tragisch endet“.

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