Kultur-Balkon Max Höfler
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„Kultur-Balkon“

Max Höfler: Es wird gut (werden)(müssen)…

Der steirische Autor und Literaturbeauftragte des Forum Stadtpark Graz, Max Höfler, hat zur Krise einen bisher unveröffentlichten eigenen Text verfasst. Er sieht viele Blickwinkel und Chancen in der Krise, beurteilt klar, fordert aber auch Achtsamkeit.

Der 1978 in der Steiermark geborene Autor und Künstler hat neben seinem Toningenieurstudium auch Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte studiert. Seine Dissertation schrieb er über die postwittgensteinsche Ästhetik. Er veröffentlicht Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften, unter anderen auch in der Zeitschrift ‚manuskript‘.

Max Höfler ist aber auch Künstler: Er gründete die halbvirtuelle Eigenheimgalerie GG44 und ist Mitgründer der R.A.P1.2 (= Rotes Armee Partizip 1 hoch 2).

Kultur-Balkon Max Höfler
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Max Höfler liest seinen bisher unveröffentlichten Text „Gut. Alles wird gut.“ zur aktuellen Corona-Krise.

Als Autor und Künstler hat Max Höfler viele Blickwinkel auf die derzeitige Situation, es sind Gedanken und Wortspiele die erstmals hier veröffentlicht werden:

„Gut. Alles wird gut.“

"Gut. Alles wird gut. Alles wird vielleicht gut. Alles wird vielleicht eventuell gut. Alles wird vielleicht wieder eventuell gut. Alles wird vielleicht eventuell guter. Ja, alles wird vielleicht sogar guter. Ja, alles wird sicher sogar guter. Ja, alles wird vielleicht sogar viel viel guter werden müssen.

Ja, alles wird vielleicht sogar gutestens werden können. Ja sicher wird alles sogar noch guter als sehr gutes gutestens werden. Ja alles kann ja sogar guter als gutestens gemacht werden. Ja alles gut für alle kann ja leicht gemacht werden. Ja alles gut für alle. Ja alles gut für alle, ja alles gut für alle, ja."

Kultur-Balkon Max Höfler im Interview mit Ilse Amenitsch
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Max Höfler im Interview mit der Kulturredakteurin Ilse Amenitsch

Gute und schlechte Nachrichten

Max Höfler sieht nach diesem positiven Wort- und Gedankenspiel das breite Spektrum dieser Krise: „Die schlechten Nachrichten sind offensichtlich, die mit diesem ganzen Ungemach einhergehen.“ Mit Sorge sieht er auch politische Entwicklungen, die in dieser Krise offensichtlich werden: „Man muss durchaus auch aufpassen, dass solche Ausnahmezustände nicht in etwas kippen, das nicht mehr rückgängig zu machen ist. Da muss man durchaus wachsam sein, auch was die Überwachung anbelangt.“

Sendungshinweis:

„Steiermark heute“, 26.3.2020

Im Gegensatz dazu sieht der Autor auch positive Ansätze: „Es wird sehr viel klar in dieser Krise, nämlich insofern, dass man sich wirklich überlegen muss, wie man Gesellschaft neu denken will. Man sieht, was passiert, wenn man den Sozialstaat zurückfahren möchte, dann hat man irgendwann den Scherben auf.“

Solidarität wäre wieder gefragt

Max Höfler sieht in diesem Umdenken durchaus auch eine Wiederbelebung vergangener Werte möglich: „Es ist ein guter Zeitpunkt, den sozusagen altmodischen Begriff ‚Solidarität‘ wieder hervorzuholen und mit Leben zu erfüllen. Die Solidarität hört natürlich nicht vor der Haustür auf, sondern es ist ein globales Problem, folglich müssen wir diese Solidarität auch global denken in Zukunft und auch jetzt.“

Der „Kultur-Balkon“ mit Max Höfler

Der steirische Autor und Literaturbeauftragte des Forum Stadtpark Graz, Max Höfler, hat zur Krise einen bisher unveröffentlichten eigenen Text verfasst. Er sieht viele Blickwinkel und Chancen in der Krise, beurteilt klar, fordert aber auch Achtsamkeit.

Neue Verteilungsgerechtigkeit – mehr Zärtlichkeit

Seine Solidarität gilt auch allen Künstlerkolleginnen und -kollegen, die unter der jetzigen Situation sehr leiden, große Sorgen und existenzielle Ängste haben. Er sieht auch die sogenannten Systemerhalter, die gerade jetzt alles aufrechterhalten, als nicht übermäßig entlohnt und regt ein neues Überdenken einer solidarischen Gesellschaft an. Max Höfler zitiert dazu ein Sprichwort: „‚Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker‘ – und ich glaube, wir brauchen mehr Zärtlichkeit in Zukunft.“