Das Testfahrzeug
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Verkehr

Neues Assistenzsystem für Sekundenschlaf

Sekundenschlaf ist immer wieder Ursache für schwere Verkehrsunfälle. Ein Grazer Forscherteam arbeitet derzeit an einem neuartigen System, das erkennt, wenn der Fahrer einschläft und das dann auch gleich das Steuer übernimmt.

Seit vielen Monaten schon kommen die Versuchsteilnehmer auf das Gelände der TU Graz, um an einem speziell umgebauten Pkw ihre Kilometer abzuspulen. Jeder von ihnen fährt zwei Mal – einmal, wenn er müde ist; sie werden dabei mit zahlreichen Kabeln und Sensoren mit dem Computer verbunden, der genau aufzeichnet, was sie gerade tun.

Beobachtung, Verhalten, Physiologie

Ziel des Projektes ist es, genau den Moment zu erkennen, in dem ein Mensch einschläft, sagt Matthias Frühwirth von Human Research: „Wir wollen im späteren System im Auto einerseits Videobeobachtung verwenden – Lidschlaganalyse ist eine gebräuchliche Methode -, anderseits das Fahrverhalten selbst hernehmen, das heißt, wie bediene ich das Lenkrad, in welcher Form halte ich die Spur, wenn ich selbst fahre. Aber – und das ist neu, womit das kombiniert wird – wir wollen auch physiologische Messungen unterbringen: Wir schauen uns besonders Herzschlag und Atmung an, über Sensoren, die im Sitz und im Gurt eingebettet werden.“

Computergrafik des neuen Systems
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„Jetzt bin ich der Chef“

Um all diese Daten zu bekommen, ist auch das Auto im Inneren voller Kameras und Sensoren, sagt Peter Fischer von der TU Graz, denn das Auto muss dann auch richtig reagieren, „das heißt, das Fahrzeug erkennt eine bestimmte Kombination aus Lidschlag, aus Blickrichtung, aus Herzschlag, und sagt, jetzt ist der Fahrer eine Sekunde vor dem Einschlafen, oder er ist gerade 0,2 Sekunden wirklich eingeschlafen, und gibt dann das Signal an die automatisierte Fahrfunktion, ‚So, und jetzt übernimm du, der Fahrer darf jetzt nicht mehr eingreifen.‘ Wenn ihm zum Beispiel eine Hand vom Lenkrad rutscht – das muss das Fahrzeug erkennen und sagen, ‚Jetzt übernehme ich, jetzt bin ich der Chef‘.“

Computer merkt, wenn wir einschlafen

Damit das auch sicher funktioniert, setzen die Forscher auf ein Netzwerk aus Sensoren, denn sonst könnten etwa verändernde Lichtverhältnisse oder ein wackeliger Untergrund stören und zu Fehlern führen. Den Moment des Einschlafen soll übrigens der Computer mit Hilfe künstlicher Intelligenz herausfinden – tut er das, dann könnte es schon in einigen Jahren Autos zu kaufen geben, die von selbst übernehmen, wenn sich der Mensch falsch eingeschätzt hat.