Die Passagierin
Oper Graz / Facebook
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Kultur

Grazer Oper widmet sich Weltkriegsgräueln

75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz widmet sich die Grazer Oper in einem umfassenden Schwerpunkt den Gräueln der NS-Zeit – ab 14. März etwa mit der Oper „Die Passagierin“.

„Die Passagierin“, das 1968 vollendete und erst 2010 bei den Bregenzer Festspielen szenisch uraufgeführte Hauptwerk des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, kommt damit erstmals in Graz zur Aufführung. Die Oper basiert auf der Autobiographie einer Auschwitz-Überlebenden. Begleitend dazu gibt es Ausstellungen, Vorträge, Filmabende und Konzerte.

Die Grazer Opern-Intendantin Nora Schmidt sieht es als ein Gebot der Stunde, einmal mehr gegen das Vergessen anzutreten – „dann brauchen wir die Stimmen. Aber was ist, wenn die Stimmen verhallt sind? Genau damit beschäftigt sich diese Oper. Da haben wir die Chance, dass wir durch Musiktheater aufwühlen, erinnern können – und nicht bewerten, sondern unsere Zuschauer konfrontieren“.

„Durchdrungen von unglaublichem Lebenswillen’“

Die Passagierin basiert auf der gleichnamigen Novelle der Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz und handelt von einer ehemaligen KZ-Insassin, die auf einer Schiffs-Überfahrt eine ehemalige KZ-Aufseherin zu erkennen glaubt.

Die Passagierin
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Szene aus „Die Passagierin“

Die heute 96-jährige Autorin wird im Rahmen einer Ausstellung in Interviews und Bildern in der Grazer Oper zu erleben sein. Sie ist eine ganz besondere Persönlichkeit, wie Dramaturgin Marlene Hahn schildert, die Posmysz mit einem Team der Oper in ihrer Heimat Polen besucht hat: „Sie ist durchdrungen von einem unglaublichen Lebenswillen. Und sie sagt, sie ist schuldig, dass sie das überlebt hat – und will, dass die Stimmen nicht in Vergessenheit geraten“. Es sei wichtig, über das Vergangene zu sprechen, damit es morgen besser wird.

Kurzdoku im Rechbauer-Kino

Im Rechbauer-Kino wird eine Kurz-Doku über Zofia Posmysz gezeigt, ebenso der in Cannes prämierte Film „Passenger“ von Andrzej Munk, der als Bindeglied zwischen Roman und Oper gilt. Die Passagierin an der Grazer Oper ist ein vielstimmiges und vielsprachiges Werk, gesungen wird in sieben Sprachen.

Die Passagierin
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Szene aus „Die Passagierin“

Im Rahmenprogramm finden sich zudem unter anderem die konzertante Aufführung „Friede auf Erden“ mit der Schauspielerin Sunnyi Melles sowie Olga Neuwirths Stummfilmkonzert zu „Die Stadt ohne Juden“. Opernfoyer und Gänge bieten mehreren Ausstellungen Platz – daher öffnet die Oper an den Vorstellungstagen zur Passagierin bereits eineinhalb Stunden früher.

Premiere am 14. März

Die Grazer Erstaufführung von „Die Passagierin“ findet am 14. März in der Grazer Oper statt – zeitgleich startet auch das Rahmenprogramm, das bis zum Juni angelegt ist.

Stolpersteine zum Gedenken

Und vor der Grazer Oper werden am 13. März drei sogenannte Stolpersteine verlegt – zum Gedenken und stellvertretend für die von den Nazis vertriebenen Künstlerinnen und Künstler des Hauses. Schritte durch Graz – an Orte des ehemaligen Verbrechens – heute nicht mehr sichtbar bietet der Verein CLIO in zwei historischen Stadtspaziergängen.

Ende April wird am ehemaligen Lager Liebenau eine Erinnerungstafel samt digitaler Infos angebracht, wie die Leiterin des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung bekanntgab. Unter ihrer Beteiligung gibt es auch Diskussions- und Gesprächsrunden mit dem Fokus auf die Folgen für das Heute. Eingebunden ist unter anderem auch das Museum für Geschichte.