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Verein gegen Tierfabriken
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Landwirtschaft

Verdacht der Tierquälerei: Erste Ergebnisse

Nach der Anzeige des Verein gegen Tierfabriken (VGT) gegen einen südsteirischen Schweinemastbetrieb wegen Tierquälerei, kamen am Mittwoch erste Ergebnis der amtstierärztliche Kontrollen. Demnach liegt keine Tierquälerei vor. Befunde und Gutachten fehlen aber noch.

Rund 3.000 Schweine zählt der südsteirische Mastbetrieb, gegen den bei der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz Anzeige erstattet wurde. Den Vorwurf der Tierquälerei würden auch Videoaufnahmen untermauern, die Mitte Februar angefertigt und dem Verein zugespielt worden seien, sagt VGT-Sprecher David Richter.

Richter: „Zustände nicht vorstellbar“

„Da sind Schweine, die sozusagen von den anderen Tieren schon angeknabbert wurden, Gelenkschwellungen aufgrund dieses Vollspaltenbodens. Blutige, abgebissene Ohren gibt es da und Augenlider durch die schlechte Luftqualität. Zahlreiche Bilder und Zustände also, die man sich hier nicht vorstellen kann, dass so etwas in der Steiermark existiert", so Richter. Dazu, warum die Anzeige des Vereins gegen Tierfabriken erst zwei Wochen nach Aufnahme des Videomaterials eingebracht wurde, meinte David Richter: Die Bilder seien ihnen erst vor einer Woche zugespielt worden, man habe den Fall noch überprüfen müssen, dann habe man Anzeige erstattet.

Der Sprecher berichtet weiters, dass dieser Betrieb von einem hochrangigen Vertreter der Branche betrieben werde, "der durchaus eine wichtige Position hat in einem steirischen Unternehmen, Styriabrid. Jemand, der auch für Stallbauten quasi zuständig ist, auch wie die Zukunft weitergehen wird in der steirischen und in der österreichischen Schweinehaltung, wo die Enttäuschung groß ist, dass genau so einer eben einen Vollspaltenboden-Stall hat, wo Tiere so leben müssen“.

Styriabrid ist einer der größten steirischen Vermarkter, Berater und Serviceanbieter für Schweinebetriebe und vertritt laut eigenen Angaben mehr als die Hälfte der Schweinebauern und -bäuerinnen in der Grünen Mark. Die Fotos und Videos aus dem Mastbetrieb stammen laut VGT von Mitte Februar.

AMA kontrollierte bereits am Dienstag

Wie im Laufe des Mittwochs bekannt wurde, hatte der AMA-Betreuungsarzt den Hof bereits am Dienstag unangekündigt kontrolliert: „Die Kontrolle hat ergeben, dass es einige Tiere gab, die separiert in Krankenbuchten waren, und der Betriebsleiter hat uns darüber informiert, dass das Tier mit der blutigen Wunde am nächsten Tag separiert wurde und von einem Betreuungstierarzt operiert und behandelt wurde“, so AMA-Sprecherin Kristijana Lastro. Bei dem blutenden Tier hätte es sich um einen akuten Notfall gehandelt.

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Dem Verein gegen Tierfabriken wurden Fotos und Videos zugespielt

Tiere mit abgebissenen Ohren oder Gelenksschwellungen oder andere Missstände seien bei der Kontrolle nicht vorgefunden worden, Betriebsinhaber und Betreuungstierarzt seien aber aufgefordert worden, eine Stellungnahme vorzulegen.

BH: Laut erstem Bericht keine Tierquälerei

Der zuständige Bezirkshauptmann von Leibnitz, Manfred Walch, hatte bei dem Betrieb für Mittwoch eine amtstierärztliche Kontrolle angeordnet. Diese lagen am Nachmittag vor. Demnach liege keine Tierquälerei vor, sagte Walch: „Nach dem erste Bericht, der mir vorgelegt worden ist, ist das nicht der Fall.“ Es gebe auch keinen Hinweis auf Kannibalismus. Die Untersuchungen würden aber noch laufen. Es fehlen noch Befunde und Gutachten.

„Die Mastschweine, bei denen Verletzungserscheinungen fotografiert wurden, sind alle noch im Stall vorhanden. Sie sind in Krankenbuchten untergebracht. Und die Betreiber konnten auch die Behandlung durch die Tierärzte noch vor Anzeigeerstattung nachweisen“, sagte Walch.

Würden allerdings Missstände festgestellt, drohe eine Verwaltungsstrafe, so Walch, „weil es ist ja oft schon schwer zu sagen, ist das überhaupt der Stall von den Fotos. Man müsste auch den VGT fragen, wenn sie so etwas feststellen, warum das so lange dauert, bis die Anzeige kommt.“

Gütesiegel vorsorglich und vorläufig entzogen

Für den Betrieb gebe es erste – womöglich vorübergehende – Konsequenzen, so Lastro: „Das heißt, wir haben bis zur Abklärung aller Details dem Betrieb die Lieferberechtigung in das AMA-Gütesiegel entzogen. Wir sind gerade dabei, alle Fotos und das Video mit Experten zu sichten, um uns ein Bild von der Lage zu machen, über die Kontrolle hinaus.“ Das Kontrollsystem sei engmaschig und der Takt im Vorjahr erhöht worden, durch weitere Kontrollen würde man vereinzelte Fälle – die laut AMA tatsächlich auftreten würden – nicht verhindern können.

Landwirtschaftskammer: „Erschüttert“

Von der Erzeugergemeinschaft Styriabrid heißt es, eine Stellungnahme werde es erst geben, wenn das Ergebnis der amtstierärztlichen Kontrolle vorliegt. Die Landwirtschaftskammer Steiermark zeigte sich angesichts der vorliegenden Bilder „erschüttert“ und bot dem Betrieb Unterstützung zur Verbesserung der Situation an. „Gleichzeitig ersuchen wir die zuständigen Behörden um Prüfung der Sachlage“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die Landwirtschaftskammer stehe „kompromisslos für eine ordnungsgemäße Tierhaltung, Verstöße gegen die gesetzlichen Haltungsbedingungen sind zu ahnden“. Allerdings würden diese Bilder nicht „die gewissenhafte Arbeit der heimischen Schweinebauern repräsentieren“. Man stehe mit dem Betrieb in Verbindung und unterstütze bei der Aufklärung.

Ministerium: „Verstöße nicht zu tolerieren“

Auch das Gesundheitsministerium meldete sich zu Wort: Man habe „umgehend die für Tierschutz zuständige Landesbehörde um weiterführende Informationen ersucht. Sollten sich die Anschuldigungen erhärten, so obliegt es der zuständigen Behörde, die weiteren Schritte zu setzen. Klar ist: Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sind nicht zu tolerieren“.

Laut VGT-Sprecher Richter gebe der Fall einmal mehr Anlass für den Appell, Vollspaltenböden möglichst rasch und endgültig zu verbieten. Erst vor einem Jahr sorgten verstörende Szenen aus einem steirischen Hühnermastbetrieb für Schlagzeilen und letztlich auch für strafrechtliche Ermittlungen. Ab 7. März müssen sich die Verantwortlichen vor Gericht verantworten – mehr dazu in Hühnermastskandal: Gerichtliches Nachspiel (12.1.2024). Der VGT kündigte auch eine Protestaktion am Donnerstag ab 9.30 Uhr vor dem Landtag an.